Nun ist es offiziell: nach mehr als halbjähriger Vakanz des Patriarchats von Venedig hat Papst Benedikt XVI Mons. Francesco Moraglia, bisher Bischof von La Spezia, zum Nachfolger von Angelo Kardinal Scola ernannt, der zum Erzbischof von Mailand berufen worden war. Moraglia, Jahrgang 1953, wurde 1977 in Genua durch den berühmten Erzbischof Giuseppe Kardinal Siri zum Priester geweiht und leitete seit 2007 das Bistum Spezia. Er verfolgt treu die Linie des Heiligen Vaters und ist ferner Berater der Glaubenskongregation. Gewöhnlich garantiert das die Ernennung zum Patriarchen von Venedig auch die Verleihung der Kardinalswürde – für das nächste Konsistorium am 22. Februar ist dies allerdings noch nicht vorgesehen. Erbitten wir Gottes Beistand für Mons. Moraglia in seinem neuen, schwierigen Amt!

Das Unglück der Costa Concordia vor der Insel Giglio könnte nicht symptomatischer für Venedig, ja für die Situation in Italien insgesamt sein: oberflächlicher Konsum mit faktisch unkalkulierbarem Risiko (“man will den Leuten ja was bieten”). Auch in diesem Jahr werden wieder 300 Meter lange “Luxusliner” durch die Stadt fahren – schwimmende Hotels, die der Stadt Venedig selbst nichts bringen außer Verstopfung der Gassen, aber der staatlichen Hafenbehörde eine goldene Nase garantieren. Doch wer garantiert für die Sicherheit der baulichen Substanz Venedigs? So mehren sich nun erneut vermehrt die Stimmen, welche ein Verbot der Passage von Kreuzfahrschiffen durch den Giudecca-Kanal vorbei an der Klosterinsel San Giorgio Maggiore und dem Markusplatz fordert. Darunter auch das Comitato No Grandi Navi – Laguna Bene Comune, das wieder Proteste mit Transparenten gegen den Kreuzfahrtwahn ankündigt. Angesichts der Luftverschmutzung durch die Schiffe eigentlich ein Feld für alle Grünen, doch ist es stattdessen der pensionerte Staatsanwalt Ennio Fortuna, der für die zentristische UdC im Stadtrat sitzt und jetzt ein umgehendes Verbot fordert. Alternativen freilich gibt es durchaus – man müßte nur entweder die Kreuzfahrtschiffe gleich nach Marghera verlagern und den allfälligen Transport mit kleineren, mit der Lagune eher kompatibleren Zubringerbooten organisieren, oder gleich einen Offshore-Hafen vor dem Lido errichten. Gleichwohl ist im seit Jahren politisch wie kulturell gelähmten Italien in keinem Bereich eine Verbesserung zu erwarten, man muß vielmehr mit dem erfolgreichen Aussitzen des Problems rechnen.
Acqua Alta immer schlimmer: Heute 137 cm!
3. Dezember 2010
Zwar nicht so schlimm wie das Rekordhochwasser vor fast genau 2 Jahren, aber immerhin waren 55% der Stadt unter Wasser. Und ein halber Meter auf dem Markusplatz, dem tiefsten Punkt der Stadt. Hier ein Video. Auch für morgen gibts keine Entwarnung: die Vorhersage ist 120cm um neun Uhr. Überhaupt ist in dieser Saison das Acqua Alta besonders häufig anzutreffen; es wird bereits gemutmaßt, daß die künstliche Insel, welche im Rahmen des MOSE-Projekts in der Hafeneinfahrt beim Lido aufgeschüttet wurde, eher kontraproduktiv sei, da die Häufung des Phänomens ausgerechnet seit dem Beginn der Bauarbeiten auftritt. Der Leiter der Hochwasservorhersage freilich möchte das lieber auf die angebliche menschengemachte Erderwärmung zurückführen… Fakt ist: bereits ab 80cm beginnt der Markusplatz unter Wasser zu stehen. Letztes Jahr war das an 120 Tagen der Fall, 2010 bereits 179 Mal. Ab November so gut wie jeden Tag. Bis Ende des Jahres rechnet man mit zweihundert Tagen Acqua Alta, also nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr!
Veniceland 2010
15. November 2010
Historische Stadt oder Themenpark à la Disney? Ein Jahr nach der Beerdigung Venedigs führte venessia.com am 14.11. eine weitere Protestveranstaltng mit dem Titel Veniceland 2010 durch, die nicht zuällig am Piazzale Roma, dem Einfallstor des Autoverkehrs in die Lagunenstadt, und bei der Calatravabrücke statt. Bilder und Videos gibt es hier.
Angst vor La Fenice 2.0: Brand im Priesterseminar
31. August 2010
Ein Brand im Dachstuhl hat in der Nacht vom 29. auf den 30. August das derzeit in Restaurierung befindliche Seminar des Patriarchen beschädigt und zwangsläufig Erinnerungen an das verheerende Feuer wach werden lassen, dem 1996 das Theater La Fenice zum Opfer fiel. Glücklicherweise konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden, bevor er an die angrenzende Kirche Santa Maria della Salute übergreifen konnte, die eine hölzerne, bleigedeckte Kuppel besitzt. Das Ölgemälde David und Goliath des berühmten Renaissancemalers Tizian an der Decke der Sakristei wurde leider durch Löschwasser erheblich beschädigt. Zur Brandursache ist noch nichts bekannt.
Die Zeitung Il Gazzettino publizierte mehrere Videos zum Brand.



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