Das Unglück der Costa Concordia vor der Insel Giglio könnte nicht symptomatischer für Venedig, ja für die Situation in Italien insgesamt sein: oberflächlicher Konsum mit faktisch unkalkulierbarem Risiko (“man will den Leuten ja was bieten”). Auch in diesem Jahr werden wieder 300 Meter lange “Luxusliner” durch die Stadt fahren – schwimmende Hotels, die der Stadt Venedig selbst nichts bringen außer Verstopfung der Gassen, aber der staatlichen Hafenbehörde eine goldene Nase garantieren. Doch wer garantiert für die Sicherheit der baulichen Substanz Venedigs? So mehren sich nun erneut vermehrt die Stimmen, welche ein Verbot der Passage von Kreuzfahrschiffen durch den Giudecca-Kanal vorbei an der Klosterinsel San Giorgio Maggiore und dem Markusplatz fordert. Darunter auch das Comitato No Grandi Navi – Laguna Bene Comune, das wieder Proteste mit Transparenten gegen den Kreuzfahrtwahn ankündigt. Angesichts der Luftverschmutzung durch die Schiffe eigentlich ein Feld für alle Grünen, doch ist es stattdessen der pensionerte Staatsanwalt Ennio Fortuna, der für die zentristische UdC im Stadtrat sitzt und jetzt ein umgehendes Verbot fordert. Alternativen freilich gibt es durchaus – man müßte nur entweder die Kreuzfahrtschiffe gleich nach Marghera verlagern und den allfälligen Transport mit kleineren, mit der Lagune eher kompatibleren Zubringerbooten organisieren, oder gleich einen Offshore-Hafen vor dem Lido errichten. Gleichwohl ist im seit Jahren politisch wie kulturell gelähmten Italien in keinem Bereich eine Verbesserung zu erwarten, man muß vielmehr mit dem erfolgreichen Aussitzen des Problems rechnen.

1 Kommentar to “Nach der Costa Concordia – kommt endlich das Verbot für die Passage vor San Marco?”

  1. Jürgen meint:

    Sehr guter Beitrag. Ich habe mich auch beim Besuch von Venedig und dem Anblick der großen Schiffe in der Nähe dieser ohnehin bedrohten Kulturgüter gefragt, warum dies noch erlaubt ist. Bei aller Liebe zum Tourismus – wir sollten wahrlich den tragischen Anlass nutzen und darüber nachdenken.

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