Wer bekommt die Dogana?

23. September 2006

Das historische Zollamt Venedigs, die im 17. Jahrhundert umgestaltete Dogana da Mar, befindet sich an einer der städtebaulich sensibelsten Stellen Venedigs am Anfang des Canal Grande. Seit Jahren steht das in Staatsbesitz befindliche Gebäude leer und harrt einer kulturellen Nutzung. Am 22. September wurde die Zusammensetzung der Kommissionen bekannt gegeben, die in Kürze die Entscheidung fällen werden. Der technischen Kommission gehören Achille Bonito Oliva (Kunsthistoriker, Vorsitzender), Giuseppina Dal Canton (Kunsthistorikerin) und Carlo Magnani (IUAV) an.

Bereits 1999 hat die Guggenheim-Stiftung durch das bekannte Architekturbüro Gregotti Associati mit Sitz in Mailand und Venedig einen Entwurf für eine mögliche Erweiterung des im Palazzo Venier dei Leoni befindlichen Museums in der Dogana anfertigen lassen. Doch François Pinault, der jüngst im Palazzo Grassi Teile seiner Kunstammlung unterbrachte, bekundete ebenfalls Interesse an dem trapezförmigen, eingeschossigen Bau mit dem charakteristischen Türmchen. Wie schon beim Palazzo Grassi sollte der minimalistische, renommierte japanische Architekt Tadao Ando den Umbau übernehmen. Angesichts des näher rückenden Termins der Entscheidung und einer vermeintlich geringeren Reputation Gregottis gab Guggenheim am 21. September bekannt, daß nun doch nicht Gregotti, sondern vielmehr Zaha Hadid der Dogana neues Leben einhauchen soll. Hadid, gebürtige Irakerin mit Büro in London, ist durch expressive Bauten (bevorzugt in Sichtbeton) bekannt geworden, deren primäres Ziel es ist, aufzufallen - oft auch unangenehm. Entsprechende Bedenken versucht die Guggenheim im Vorfeld zu zerstreuen: Weder werde das alte Zollhaus abgerissen, noch würden estensioni improprie am Äußeren gemacht werden.
Wie beruhigend. Der Venedig-Blog wünscht sich dennoch unbedingt eine Entscheidung zugunsten von Pinault/Ando.

1 Kommentar to “Wer bekommt die Dogana?”

  1. FridayNite meint:

    Das Problem wird wohl sein, wer im Kunstgeschäft die grössere Reputation besitzt. Bei Guggenheim tut sich keiner schwer, etwas Aussergewöhnliches zu akzeptieren. Ich hoffe, Du behältst Recht mit Ando. Solche markanten Punkte sollten nicht durch architektonischen Vandalismus zerstört werden.

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