Haus in Venedig

Als vor wenigen Tagen am Haus San Marco 3427 in der sogenannten Piscina San Samuele, einer breiten Gasse zwischen Campo San Stefano und dem Traghetto, die Gerüste abgebaut wurden, glaubte man seinen Augen nicht trauen zu können. Die recht schlichte, nur mit Marmorplatten in den Bogenzwickeln dekorierte Fassade präsentiert sich neuerdings in einem schreienden Rot, welches die wesentlich größeren Schauseiten benachbarter Bauten wie den Palästen Querini und Pisani erfolgreich in den Hintergrund zu drängen vermag. Nicht nur für das Stadtbild ist die Wahl der Farbe eine Katastrophe; auch zeigt der schlampig und vermutlich von unqualifizierten Arbeitskräften aufgetragene Putz im unteren Bereich bereits erste Verfallserscheinungen. Während selbst alle Rundbogen mit Rot übertüncht wurden, erhielten die mittleren Pfeiler der Loggien und die Verdachungen derselben eine weiße Fassung, so daß die Elemente zusammenhanglos erscheinen.

Wie bei allen mißlungenen Sanierungen der letzten Jahre gibt es neben dem Eigentümer der Immobilie drei Hauptschuldige: der in der Regel nicht ausreichend ausgebildete Architekt oder Baumeister (der für die Farb- und Putzwahl verantwortlich ist), die Denkmalbehörde (die keinen Einspruch erhob) und die Stadtverwaltung (die das Projekt akzeptierte und keine verbindlichen Richtlinien zur Pflege des geschundenen Stadtbilds Venedigs ausgearbeitet hat). Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht, obwohl es an Publikationen gelungener Restaurierungen und auch qualifizierten Planern nicht fehlt.

Detail Haus in Venedig

Einen Kommentar hinterlassen