Neuer Wirbel um Palazzo Grassi
8. September 2006
Vorgeschichte: Anfang 2005 zog sich der angeschlagene Konzern FIAT aus dem kulturellen Leben Venedigs zurück und verkaufte den Palazzo Grassi - bis dahin Ort bedeutender internationaler Ausstellungen. Um die weitere Nutzung des riesigen Baus am Canal Grande, der auch schon einmal als Hotel gedient hatte, entbrannten Diskussionen. Unter anderem bot der Genueser Magnat und Mäzen Angelo Guido Terruzzi an, eine Stiftung für den Palast zu gründen, einen Teil seiner bedeutenden Kunstsammlung, die nicht nur venezianische, sondern auch moderne Meister enthält, im Palazzo auszustellen, den Venezianern freien Eintritt zu gewähren, und den ersten Stock für die Kulturabteilung der Gemeinde Venedigs zu nutzen. Doch Francois Pinault, Herr über bedeutende Marken wie LVMH und Gucci, bekam den Zuschlag. Nach einem Umbau durch den japanischen “Stararchitekten” Tadao Ando wurden nun unter dem Titel “Where are we going?” sogenannte moderne, vor allem aber teuere Werke aus der Sammlung Pinault in den Palast hineingestopft und ausgestellt.
Am 30. August 2006 druckte der Gazzettino einen offen Brief ab, den Angelo Guido Terruzzi an Giandomenico Romanelli, Direktor der Städtischen Museen Venedigs, verfaßt hat. Die Verhandlungen um Palazzo Grassi seien von Anfang an undurchsichtig gewesen, viele Forderungen an ihn inakzeptabel. Besonders befremdlich: Beim Betrachten der Kollektion Terruzzis, die hervorragende Werke von Canaletto, Guardi, Jacopo Amigoni usw. enthält, hätte Dr. Romanelli, Autor einer Unzahl von Büchern und Aufsätzen, nicht die Spur einer emotionalen Regung gezeigt.
Bereits einen Tag später meldete sich Paolo Costa, damaliger Bürgermeister Venedigs, zu Wort und wies die Kritik zurück. Man habe von Anfang an etwas anderes mit Palazzo Grassi im Sinne gehabt, und Terruzzis Vorhaben sei damit nun einmal nicht kompatibel gewesen.
Teile der Sammlung Terruzzi werden mittlerweile in Rom ausgestellt.




Feed abonnieren
Einen Kommentar hinterlassen