Baldiges Ende der Taubenfütterung auf der Piazza?
2. Februar 2007

Gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an: Futterstand auf der Piazza
Die Leiterin der venezianischen Denkmalbehörde (die ja dem italienischen Kultusministerium zugehörig ist), Renata Codello, hat den Bürgermeister Venedigs Massimo Cacciari ultimativ aufgefordert, den Verkauf von Taubenfutter auf dem Markusplatz zu beenden. Bisherige Initiativen in dieser causa blieben folgenlos. Hintergrund der jetzigen Forcierung ist eine Studie der Universität Venedig, wonach der Taubenkot, vor allem in Verbindung mit Wasser, den den Verfall der Baudenkmale Venedig um den Faktor fünf bis sieben beschleunigt. Und jeder, der über den Markusplatz geht, ärgert sich über den stechenden Geruch der Exkremente. Da der Staat, so Codello, in den letzten Jahren Summen in zweistelliger Millionenhöhe in die Restaurierung der Bauten rund um die Piazza San Marco (der erst kürzlich eröffnete Uhrturm, der Dogenpalast sowie die Kirche San Marco) investiert hat und derzeit die auch Sanierung der Biblioteca Marciana im Gange ist, sei es nicht hinnehmbar, daß zur Beschädigung dieses einzigartigen architektonischen Ensembles weiterhin mutwillig beigetragen wird.
Derzeit haben 19 Verkäufer für Taubenfutter eine Lizenz von der Stadt, und sie haben bereits angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Stadt sollte sich schnellstmöglich bemühen, eine andere ähnlich geringst qualifizierte Arbeit für diese Personen zu organisieren, damit der Mißstand der vorsätzlichen Ernährung von Schädlingen zur alleinigen Belustigung einiger dümmlicher Touristen alsbald abgestellt werden kann. Kurioserweise ist ausschließlich am Markusplatz das Füttern der “fliegenden Ratten” und der Verkauf von Futter erlaubt.
Der Venedig-Blog kann der Beurteilung der Lage durch die Denkmalpflege nur uneingeschränkt zustimmen.




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Februar 2nd, 2007 at 14:17
Es ist sowieso ein Unding, warum dem noch durch Lizenzen für Futterverkäufer Vorschub geleistet wird. In Deutschland wurde schon vor mehr 30 Jahren die Antibabypille für Tauben ausgelegt in Denkmalschutzzonen, die ähnlich Venedig vom Taubendreck überzogen waren. Von der Gefahr für den Menschen durch Taubenmilben ganz zu schweigen. Wahrscheinlich stehen die Futterverkäufer mit Schutzanzügen und Atemmasken auf dem Platz. Ansonsten müssen Sie sich keine Sorgen um Ihre Altersversorgung machen. Das erledigen die Tauben schon vorher.
Februar 7th, 2007 at 10:51
Wäre sicher eine zu begrüßende Entwicklung, auch wenn abzuwarten bleibt, ob und wie bald das durchgesetzt wird.
Es ist sicher heute ein Anachronismus, dass Taubenschwärme heute noch gezielt angelockt und durchgefüttert werden.
Die lizensierten Taubenfutterverkäufer könnten ja dann für eine Übergangszeit das Verfüttern von “Antibaby-Pillen” übernehmen
Sicher gehören die Tauben am Markusplatz aus Gewohnheit irgendwie zum Stadtbild und andere Umwelteinflüsse verursachen bei Menschen und Gebäuden sicher größere Schäden (menschliche Verursacher haben natürlich eine ganz andere Lobby), aber das gezielte Füttern und Vermehren müsste wirklich nicht sein.
Eine gezielte Ansiedlung von Turmfalken etc. wäre sicher auch hilfreich
AndreasB
Februar 7th, 2007 at 15:38
Hallo AndreasB,
Ein Falkner war vor zwei Jahren hier; nach Protest von sog. Tierschützern mußte er wieder abziehen (das Tierchen machte nur das, wozu es geschaffen ist).
Was die anderen Umwelteinflüsse angeht kann ich nur zustimmen.
Februar 13th, 2007 at 21:51
In einem sehr unterhaltsamen Fakt-Buch über Venedig (auf englisch:The city of falling angels, von John Berendt, Penguin Books) wird berichtet, dass die Taubenfutterverkäufer DERART viel Steuern erwirtschaften, dass sie vermutlich nie verboten werden…