Palazzo Labia

Klare Nachrichten darüber fehlen bislang. Gerüchten zufolge plant der italienische Rundfunk RAI, Eigentümer des Palazzo Labia, diesen zu verkaufen, um angesichts der derzeit erzielbaren Preise kräftig Kasse zu machen. Bislang sind in dem Gebäude, zweifellos einer der prächtigsten Paläste Venedigs, Büros des Rundfunks untergebracht, die aufs Festland verlagert werden würde – eine weitere kurzsichtige Standortentscheidung zu Ungunsten der Altstadt. Unter den bekannt gewordenen Interessenten ist angeblich auch der achtzigjährige Mailänder Industrielle Angelo Guido Terruzzi, der beim Tauziehen um den Palazzo Grassi den kürzeren gezogen hatte. In der Tat gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort als den Palazzo Labia, um Terruzzis Sammlung barocker Malerei zu beherbergen – und damit gleichzeitig eines der Hauptwerke Giovanni Battista Tiepolos, den Freskenzyklus der Geschichte Antonios und Kleopatras im Ballsaal des Palasts, einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen.

2 Kommentare to “Palazzo Labia zu verkaufen ?”

  1. Fridaynite meint:

    Ein weiterer Schritt, um aus Venedig das grösste Museum der Welt zu machen. Irgendwann werden nur noch Gastronomieangestellte, reiche Mailänder oder Römer mit Ihren Ferienwohnungen und Touristen die Stadt besiedeln. Einheimische waren bei meinem letzten Besuch schon kaum mehr zu sehen.

  2. dsc. meint:

    Na wunderbar, dann fällt den Rai-Apparatschiks beim nächsten Beitrag über die venezianischen Strukturprobleme das Recherchieren besonders leicht… War eigentlich nicht Alvise Zorzi nicht auch gelegentlich Rai-Journalist? Sein Buchtitel “Venezia scomparsa” ist offenbar Bestandteil der Rai-Strategie.
    Ist aber gemäss denkmalpflegerischer Theorie die neue Nutzung nicht grundsätzlich begrüssenswert: wenn statt Rai-Journalisten eine barocke Sammlung drin ist, kann man ja sicherlich nicht von Umnutzung sprechen. Der Inhalt bleibt gleich!

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