Wie die Zeitung Gazzettino am 21.März berichtet, möchten die Firmen Soles aus Forlì und Mattioli aus Padova ein vor drei Jahren patentiertes Verfahren zur Anhebung von Gebäuden an einem Musterbeispiel in Venedig ausprobieren. In Aussicht genommen wurde hierfür der allseitig freistehende Palazzo dei Camerlenghi aus dem späten 15. und frühen 16. Jh., das, wie weite Teile des Sestiere von San Polo nahe der Rialtobrücke, erheblich abgesunken ist. Das Erdgeschoß des Palasts, der auf eine lange, teils wenig glückliche Restaurierungsgeschichte zurückblicken kann, steht bei Acqua Alta regelmäßig unter Wasser. Das Verfahren basiert vereinfacht auf der Schaffung einer neuen Fundamentierung in Form einer Betonplatte unter dem bestehenden Gebäude, welches dann hydraulisch an neuen Pfählen angehoben werden soll.
Da alle Gelder des Legge speciale per Venezia derzeit in das Großprojekt MOSE fließen, sollen angesichts der klammen Kassen jetzt die privaten ausländischen Komitees zur Rettung Venedigs von dem Vorhaben überzeugt werden und die veranschlagten drei Millionen Euro bereitstellen. Gewichtige Argumente aber sprechen gegen einen Test dieses Verfahrens ausgerechnet an einem so bedeutenden Gebäude wie dem Palazzo dei Camerlenghi, das in einer der fragilsten Zonen Venedigs steht: fehlende Erkenntnisse über die Effektivität und Langzeitauswirkungen der Methode am spezifisch venezianischen Untergrund, die an einem weniger anspruchsvollen Bau vorher getestet werden sollten, und die denkmalpflegerisch bedenkliche Irreversibilität des Eingriffs.

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