In der Lagunenstadt sind die Silbermöwen auf dem Vormarsch. Denn sie finden hier Nahrung in Hülle und Fülle. Fische oder Krebse scheinen inzwischen die Ausnahme zu bilden. Vielmehr haben es die riesigen Vögel, deren Geschrei mittlerweile in Venedig so omnipräsent ist wie das Rumoren der Motorboote, beim Öffnen der zahlreichen Müllsäcke, die die Venezianer entgegen der Vorschriften abends vor ihre Häuser stellen, zu erstaunlichen Fertigkeiten gebracht. Bei der Suche nach Freßbarem verstreuen die Möwen die Inhalte der Säcke, so daß man sich besonders morgens beim Anblick einiger Plätze mitunter fragt, ob man noch in Venedig oder schon in Neapel ist. Im Gefolge versuchen auch Stadttauben ihr Glück bei der Futtersuche, doch werden sie oft kurzerhand von den Möwen, die das Angebot gerne annehmen, erlegt und gefressen:

Resistenter als Tauben sind die Ratten. Mehr als eine halbe Stunde lang waren die beiden Möwen mühevoll damit beschäftigt, dem dicken Fell des Nagers etwas Nahrhaftes zu entnehmen:


Dennoch sind die Tiere vergleichsweise scheu. Bei der Annäherung durch Menschen lassen sie schnell von den Müllsäcken ab. Besitzer von Dachterrassen oder Altane goutieren die Vermehrung der Population aus nachvollziehbaren Gründen dennoch nicht.

1 Kommentar to “Venezianische Fauna: Möwen”

  1. dsc meint:

    Der Venedigblog erreicht mit diesen Filmsequenzen neue Dimensionen! Nicht nur der Mövenliebhaber (oder Tauben- und Rattenhasser) sowie der Naturfreund im Allgemeinen dürften entzückt sein. Die Biennale-Tafel im Hintergrund verlockt zu weiteren Interpretationen. Steht die Möwe für die Biennale – und damit für das Moderne, das gewaltsam in die uralte Balance der Lagunenwelt eindringen will?

    Um aber den Absatz mit einem ernsthaften Weiterdenken zu beenden: Ist schon auffällig, wie in dieser komplizierten Stadt Venedig das Abfallwesen im Vergleich zu Neapel doch mehr oder weniger einwandfrei funktioniert…

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