Weiß gewinnt gegen Rot
11. Juni 2008

Immer wenn es ans Abbauen der Baugerüste an Fassaden geht, steigt die Spannung. Wieviel ist noch übrig? Und wie ist der neue Verputz? Ungeachtet der zahlreichen unangenehmen Überraschungen, die die Architekten jüngst bereithielten, gibt es auch positive Beispiele, zuvörderst die in der Endphase befindliche, vom Architekten Maurizio Erlicher durchgeführte Neuverputzung des Palazzo Mocenigo Casa Vecchia gegenüber der Vaporettohaltestelle San Tomà, der jüngst in mehrere Wohnungen aufgeteilt wurde. Erfreulicherweise hat man sich entschieden, den ockerfarbenen Putz des 20. Jahrhunderts durch einen weißen Marmorino zu ersetzen, der der ursprünglichen Farbgebung entsprechen dürfte. Durch den Verzicht auf die Reinigung der Steinteile fällt der Kontrast nicht so stark aus. Weniger glücklich endeten die Putzarbeiten am Palazzo Barbarigo della Terrazza, dem Sitz des Deutschen Studienzentrums in Venedig: nach einem halben Jahr, in dem man vergeblich hoffen durfte, daß die neue rote Farbe an der Seite zum Canal Grande etwas von ihrer Aggressivität verliert, zeigt sich der ohnehin nicht besonders ansehnliche Palazzo in drei verschiedenen Putztönen in Rot und Grau. Warum das Denkmalamt hier nicht auf einem ähnlichen Verputz in weißem Marmorino bestand, wie er immerhin durch die Ansicht von Canaletto belegt ist, bleibt ein Rätsel. Auch im Ensemble mit den Nachbargebäuden ist das Ergebnis unbefriedigend.






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Juni 14th, 2008 at 00:57
Das Gebäude mit der Terrasse macht jetzt also weiterhin den Eindruck, als habe man es mit ca. drei Häusern zu tun.
Ist es erklärtes Konzept, die Hauptfassade von Barbarigo della Terrazza von den übrigen Teilen farblich zu trennen? Auf dem Gemälde von Canaletto ist ja die Hauptfassade nicht drauf, könnte ja sein, dass die mal auch andersfarbig war (mal kratzen)…
Mir scheint der Palazzo exemplarisch als Ausgangspunkt für Fragen rund um die Bedeutung von Haupt- und Nebenfassaden. - Bitte zu diesem Thema noch weitere Hintergrundinformationen…
Die Hauptfassade hat ja schon eine schöne Farbe, aber wäre es sinnvoll damit auch die anderen zu streichen? - Hat eigentlich dieses rot-orange eigentlich in Ve Tradition? Ich bringe es eher mit Kleinstädten im Friaul in Verbindung.
Juni 15th, 2008 at 08:35
Nachdem man während der Baumaßnahme, wie durch das Gerüst hindurch zu erkennen war, verschiedene Farbproben durchgeführt hat, hatte man vermutlich vor, die Farbe zum Canal Grande dem Bestand anzupassen, was aber schief ging. Rot-Orange hat bei solchen Fassaden aus dem 16. und 17. Jahrhundert keine Tradition, und es gibt noch Fassaden wie jene der Ca’ Canal oder die hohen Häuser auf der San-Marco-Seite von Rialto, wo der originale Putz vorhanden ist. Sehr wahrscheinlich waren alle Seiten von Barbarigo ‘della Terrazza’ mit einem derartigen weißen Marmorino verputzt. Man hätte einfach den roten Putz allseitig ersetzten müssen.