Die Stadt der Mega-Plakate
24. Juni 2009

Wie ein Schlag in den Nacken wirkt der Anblick des Bacino di San Marco mit den riesigen Werbungen am Palazzo Ducale und an der Libreria. Das Unternehmen dottor group, das, so scheint es, derzeit jede größere Baustelle in Venedig bearbeiten darf, hat die gesamte Fläche “ihres” Gerüstes an wechselnde Werber untervermietet. Getauft wurde der Himmel “cielo dei sospiri”, Himmel der Seufzer – was sich auf die Seufzerbrücke bezieht, die man nun zwischen den blauweißen Flächen suchen muß und die dekontextualisiert in der Luft zu hängen scheint.

Der Preis für die geschmacklosesten Plakate geht ohne Zweifel an einen Uhrenhersteller aus der Schweiz, dessen Kreationen wie auch die Plakate keiner weiteren Kommentierung bedürfen sollten.

Die Werbung an der Ca Rezzonico ist an sich auf die Mitte des Gerüsts konzentriert, wo der Sponsor und Modehersteller Replay bis vor kurzem in einem aufgedruckten Bilderrahmen dezent für sich warb. Das erschreckende ist hier nicht die Werbung, sondern die Reproduktion der Fassade des Palasts, der ja bekanntlich ein Meisterwerk des Architekten Baldassare Longhena ist. Man kann hier nur hoffen, daß die lieblose, dumme Strichzeichnung, welche die Architektur grotesk verzerrt wiedergeben, nicht als Grundlage für die Restaurierung selbst verwendet werden.


Inzwischen verschwunden ist die Werbung an der Kirche San Simeon Piccolo direkt gegenüber vom Bahnhof. Selbst die Zeitung Corriere della Sera berichtete im Mai darüber, denn die Denkmalpflege hatte das Plakat abgelehnt. Die Agentur, welche die leichtbekleideten Damen, die ausgerechnet an jener Kirche, wo don Konrad zu Loewenstein lateinische Messe zelebriert, dennoch angebracht hat, kam mit einer dreistelligen Strafe davon. Am Rande sei bemerkt, daß die Kurie des stets absenten, in Venedig unbeliebten Karrierekardinals Angelo Scola bereits erwägte, in der Vorhalle der Basilika von Torcello einen Getränkeautomaten aufzustellen.




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September 11th, 2009 at 14:38
ach herrjemine! was soll man davon halten: schön oder eher nicht so schön? als ich das letzte mal in venedig war, muss ich zugeben, solch riesige plakate gar nicht bemerkt zu haben, aber vielleicht war ich einfach nur total abgelenkt von dem fantastischen eis, das ich ständig in venedig gegessen hab
Februar 6th, 2010 at 00:46
Scola in Venedig unbeliebt? Vielleicht in den Kreisen der FSSP.
März 10th, 2010 at 20:48
Gerde bei der FSSP ist er mehr geachtet als bei vielen seiner eigenen “preti rossi”: Immerhin stellt er, was vielen nicht schmeckt, der Priesterbruderschaft San Simeon Piccolo zur Verfügung, und nahm daselbst am 06. März an einer Tridentinischen Messe teil. Im persönlichen Gespräch ist Angelo Scola übrigens sehr nett, wie ich bei der letzten Festa della Salute feststellen konnte.