Die Renaissancekirche San Salvador entwickelt langsam zu einem Zentrum hervorragender katholischer Kultur. Nicht nur wird die neue Orgel regemäßig für Vespern genutzt, sondern es werden auch, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und zu unchristlichen Zeiten, tridentinische Messen angeboten. Immerhin sind seit dem “Motu proprio” Benedikts XVI. bald drei Jahre vergangen, aber das Ziel des Papstes, die alte, de facto nie abgeschaffte Messe des Konzils von Trient aus den konservativen Ghetti herauszuholen, scheint nur sehr langsam erreicht zu werden. Die Angebote sind begrenzt, insbesondere in Diözesen wie Venedig, die von sogenannten “Progressisti” geleitet werden, die zwar offen für alles sind, nur nicht für die eigene Tradition.

Großes Polizeiaufgebot am Samstagmorgen im Canal Grande: Vier Boote und mehrere Taucher sichern den Palazzo Pisani-Moretta. Denn Silvio Berlusconi fliegt zu einer Besichtigung ein. Gerüchte machen die Runde, der Ministerpräsident, der seit Jahren eine Immobilie in Venedig erwerben möchte, wolle den Palast kaufen. Tatsächlich ist der oft als Partypalazzo vermietete Bau am Canal Grande sowohl von außen als auch innen eine der schönsten Residenzen der Lagunenstadt. Unklar ist aber überhaupt, ob die Eigentümer, deren Vorfahren im 17. Jahrhundert den Palast erwarben, ihn überhaupt verkaufen wollen. Sicher ist aber angesichts der Größe, daß die in Lokalzeitungen ventilierte Summe von 13 Millionen Euro mehr als untertrieben sein dürfte. Am Ende kaufte der “Cavaliere” nicht, denn angeblich sei die Immobilie zu groß. Wahrscheinlicher ist hingegen, daß die Sicherheitslage problematisch werden würde, denn unmittelbar grenzt nicht nur das Deutsche Studienzentrum in Venedig, sondern auch eines der unzähligen Hotels an. Aus Sicherheitsgründen hatte Berlusconi bereits in der Vergangenheit das neben der Salute-Kirche gelegene ehemalige Kloster San Gregorio verschmäht: vom benachbarten *****L-Hotel hätte man in den Innenhof sehen und gelangen können…


Wie ein Schlag in den Nacken wirkt der Anblick des Bacino di San Marco mit den riesigen Werbungen am Palazzo Ducale und an der Libreria. Das Unternehmen dottor group, das, so scheint es, derzeit jede größere Baustelle in Venedig bearbeiten darf, hat die gesamte Fläche “ihres” Gerüstes an wechselnde Werber untervermietet. Getauft wurde der Himmel “cielo dei sospiri”, Himmel der Seufzer – was sich auf die Seufzerbrücke bezieht, die man nun zwischen den blauweißen Flächen suchen muß und die dekontextualisiert in der Luft zu hängen scheint.


Der Preis für die geschmacklosesten Plakate geht ohne Zweifel an einen Uhrenhersteller aus der Schweiz, dessen Kreationen wie auch die Plakate keiner weiteren Kommentierung bedürfen sollten.


Die Werbung an der Ca Rezzonico ist an sich auf die Mitte des Gerüsts konzentriert, wo der Sponsor und Modehersteller Replay bis vor kurzem in einem aufgedruckten Bilderrahmen dezent für sich warb. Das erschreckende ist hier nicht die Werbung, sondern die Reproduktion der Fassade des Palasts, der ja bekanntlich ein Meisterwerk des Architekten Baldassare Longhena ist. Man kann hier nur hoffen, daß die lieblose, dumme Strichzeichnung, welche die Architektur grotesk verzerrt wiedergeben, nicht als Grundlage für die Restaurierung selbst verwendet werden.



Inzwischen verschwunden ist die Werbung an der Kirche San Simeon Piccolo direkt gegenüber vom Bahnhof. Selbst die Zeitung Corriere della Sera berichtete im Mai darüber, denn die Denkmalpflege hatte das Plakat abgelehnt. Die Agentur, welche die leichtbekleideten Damen, die ausgerechnet an jener Kirche, wo don Konrad zu Loewenstein lateinische Messe zelebriert, dennoch angebracht hat, kam mit einer dreistelligen Strafe davon. Am Rande sei bemerkt, daß die Kurie des stets absenten, in Venedig unbeliebten Karrierekardinals Angelo Scola bereits erwägte, in der Vorhalle der Basilika von Torcello einen Getränkeautomaten aufzustellen.

Ende Dezember 2008 wurde nach jahrelanger Restaurierung das Museum im Palazzo Grimani eröffnet. Der von außen unscheinbare, herbe Bau wurde bald nach der Mitte des 16. Jahrhunderts für Giovanni Grimani, Patriarchen von Acquileia, errichtet und in der Folge von den Nachkommen seines Bruders Vettor bis ins 19. Jahrhundert bewohnt. Nach dem Aussterben dieser Linie der Grimani genannt “Spago” verfiel der Palast und wurde schließlich vom italienischen Staat erworben. Die prachtvollen erhaltenen Innenausstattungen der Renaissance werden jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Allerdings handelt es sich nicht um ein Museum im klassischen Sinne, wo bald nach dem Eingangstor ein Schalter zum Erwerb von Eintrittskarten existiert: stattdessen informiert ein Aushang vor dem Portal, daß der Eintritt nur auf der offiziellen Internetseite des Palazzo Grimani gebucht werden kann. Dort wird man aufgefordert, sich für eine der verpflichtenden Führungen, welche dreimal am Tage stattfinden, anzumelden, und via Kreditkarte einen Euro als “Reservierungsgebühr” zu überweisen. Das komplizierte, in ähnlicher Form bereits an der Cappella degli Scrovegni in Padua eingesetzte System hat aber auch seine guten Seiten: durch die künstliche Nachfrageregulierung bleiben jene Touristen außen vor, auf die Venedig ohnehin lieber verzichten würde.
Anläßlich der Restaurierung ist auch eine empfehlenswerte Publikation im Verlagshaus scripta erschienen.

Eine böse Überraschung gab es am Vormittag des ersten Dezember für Venezianer und ihre Gäste: Acqua alta mit 159 cm über dem normalen Niveau. Damit blieb die bisherige Rekordmarke des neuen Jahrtausends nur wenige Zentimeter unter der berühmten Flut des vorherigen Jahrhunderts. Schuld war, wie zumeist, der Scirocco-Wind, der gewaltige Wassermassen in die Hafeneinfahrten bei Punta Sabbioni und Chioggia drückte. Die noch in den Morgenstunden ausgelegten “passerelle”, Stege, welche an besonders frequentierten Stellen wie der Riva degli Schiavoni den Fußgängerverkehr erlauben sollten, wurden teilweise einfach weggespült, in jedem Falle aber unpassierbar. Ein angekündigter und bis zum Ende durchgehaltener Streik der Verkehrsbetriebe brachte die Infrastruktur vollends zum Erliegen. Erste Schätzungen gehen von Schäden bis zu zehn Millionen Euro aus, die vor allem Geschäftsleuten entstanden, die ihre Läden nicht rechtzeitig abdichten konnten. Auch der Weihnachtsmarkt auf dem Campo San Stefano war betroffen.
Verteidiger des umstrittenen, im Bau befindlichen Hochwasserschutzsystems “MOSE” sehen sich nunmehr in ihrer Haltung bestätigt und fordern die Gegner auf, ihren Widerstand aufzugeben. Selbst der amtierende Bürgermeister Cacciari, der sich bislang, nicht zuletzt mit dem Ziel des Stimmenfangs am linken Rand, in die Reihen der “NO MOSE” einordnete, scheint mittlerweile nachdenklich geworden zu sein.