Festa della Salute 2006
23. November 2006
Wie auch die Festa del Redentor Anfang Juli ist die Festa della Salute am 21. November ein Feiertag, der von der Regierung der Republik Venedig anläßlich der Erlösung der Stadt von einer Pestepidemie eingeführt wurde. Für beide Feste wurden eigens Votivkirchen - Il Redentore und Santa Maria della Salute - errichtet, die heute zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt zählen.
Bereits einige Tage vor dem Fest war, wie jedes Jahr seit 1630, die Pontonbrücke errichtet worden, die den Campo Santa Maria Zobenigo vorübergehend mit der Calle del Traghetto bei San Gregorio verbindet. Zahlreiche Venezianer, die Verkäufer für Votivkerzen und auch erstaunlich viele Touristen ließen sich von Nieselregen und Kälte nicht abhalten und verstopften die schmalen Gassen, die zur Kirche Santa Maria della Salute führen, um der Messe Seiner Exzellenz des Patriarchen Angelo Scola um zehn Uhr beizuwohnen. In Predigt verurteilte der Patriarch insbesondere Gewalt unter Jugendlichen und den bullismo, also Mobbing unter Schülern, und stellte intakte Familienstrukturen mit katholischem Hintergrund als beste Lösung der Problematik dar. Ferner dankte Seine Exzellenz für die begonnen Restaurierungsmaßnahmen an der Salute-Kirche. Das Fest wurde um 22 Uhr mit einem Gebet beschlossen.
Autonome besetzen den Dogenpalast
8. November 2006
Autonome nutzten eine Tagung des Arbeitsministers und anderer hochrangiger Politiker im Dogenpalast am 03 November aus, um sich in der überregionalen Pressen zu placieren. Während der Mittagspause drangen rund vierzig, später achtzig der euphemistisch als disobbedienti beizeichneten Personen unter der Führung von Luca Casarini in den Palazzo Comunale ein und zwangen die Politiker zur Verlagerung ihrer Aktivitäten in das Rathaus Ca’Farsetti. Glücklicherweise erlitt die Innendekoration keinen Schaden. Der Direktor der städtischen Museen, Giandomenico Romanelli, fordert nun, daß die Benutzung musealer Einrichtungen für derartige Veranstaltungen ein Ende haben müsse, gingen doch auch erhebliche Einnahmen aus Eintrittsgeldern verloren, ohne daß dies adäquat kompensiert werde.
Mord bei den Giardini
28. September 2006
Bislang waren die sogenannten venditori ambulanti - Ausländer, die sich illegal in Italien befinden und gefälschte Waren verkaufen - vor allem durch Wirtschafts- und Drogendelikte bekannt. Seit gestern aber hat die importierte Kriminalität eine andere Qualität: Bei den Giardini, wo derzeit die Architekturbiennale stattfindet, erstach am hellichten Tage ein Chinese einen Landsmann und Konkurrenten. Der Mörder flüchtete und konnte erst nach mehreren hundert Metern in einer Bar am Campo Santa Maria Formosa gestellt werden. Noch bei seiner Festnahme verletzte er drei Polizisten, die im Krankenhaus behandelt werden mußten.
Freilich meldeten sich sogleich Politiker zu Wort, die jetzt ein rigideres Vorgehen gegen die omnipräsenten Verkäufer von gefälschten Markenartikeln aus dem Luxusbereich wie Taschen oder Rolex-Uhren fordern. Doch hat erst die Laisser-faire-Politik der letzten Jahre hat zu einem ungehinderten Ausbreiten dieser Mafia in Venedig geführt. Der Venedig-Blog geht nicht davon aus, daß sich in absehbarer Zeit etwas ändern wird.
Spätbarockes Weihrauchfaß gestohlen
19. September 2006
Erneut hat Diebesgesindel die Kirche Santa Maria del Carmelo (Carmini) im Stadtteil Dorsoduro heimgesucht. Vermutlich während der Morgenandacht am Montag wurden die Sonntagskollekte in Höhe von ca. 300 Euro sowie ein Weihrauchfaß aus dem Ende des 18. Jahrhunderts entwendet. Bereits vor einem Jahr war in derselben Kirche ein Kruzifix des 18. Jahrhunderts bei einem versuchten Diebstahl zu Bruch gegangen. Ebenfalls 2005 wurde in Sant’Eufemia auf der Giudecca ein 1,80m hohes Kruzifix des Settecento gestohlen, in mehrere Teile zerbrochen und vom Dieb ins Wasser geworfen.
Leider ist die Aufklärungsquote bei Verbrechen gegen das kulturelle Erbe Venedigs überaus gering.
Keine neuen Läden für Touristenartikel
16. September 2006
Zu schön um wahr zu sein - das Verbot der Eröffnung neuer Läden für Postkarten, venezianische Masken made in China und sonstigen billigen Nippes für den Durchschnittsbesucher gilt leider nur an vier Stellen in Venedig, nämlich Rialto, Santa Margherita, Rio Terà San Leonardo und via Garibaldi. Die Regelung besteht seit 2001 und wurde jetzt vom Consiglio di Stato bestätigt. Ein Tropfen auf den heißen Stein - Santa Margherita ist schon seit längerem zu einem Studenten- und Schwulenviertel ohne besonderen Bezug zur Lagunenstadt verkommen, für die via Garibaldi ist die Regelung mangels Zirkulation von Touristen sowieso überflüssig, und an vielen Stellen am Rialto ist nicht mehr viel venezianità zu retten. Wie schön wäre es gewesen, wenn die Stadt stattdessen endlich Sicherheit für wahre Kulturträger wie die Verlagsbuchhandlung Filippi in der Calle del Paradiso geschaffen hätte.




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