Neues Studentenwohnheim

10. Januar 2007

Bezahlbare Unterkünfte für Studenten unterliegen in der Lagunenstadt einer besonders hohen Nachfrage. Die wenigen bestehenden Studentenwohnheime wie jenes auf der Giudecca oder das katholische “Domus Civica” sind stets ausgebucht. Zahlreiche Wohnungs-Gesuche auf Zetteln in den Universitäts-Instituten sind mit dem Vermerk “No Mestre, no Isole” versehen, doch sind die Preisvorstellungen für eine Wohnung im historischen Zentrum nicht selten fern der harten Realität.
Nach langem Ringen um die Nutzung des ehemaligen Konvents der Jesuiten im Viertel von Cannaregio, das ab der Säkularisierung als Kaserne genutzt wurde und sich im Eigentum der Stadt Venedig befindet, wurde nun beschlossen, dort ein Studentenwohnheim mit mindestens 160 Betten einzurichten. Der Gebäudekomplex mit einer Geschoßfläche von mehr als 8200 Quadratmetern wurde vor wenigen Jahren vom Eigentümer nach außen restauriert, steht aber seit langem leer. Naturgemäß ist der Grundriß des Klosters/der Kaserne für Studentenunterkünfte gut geeignet. Ein anderer Teil des Klosters soll auch in 39 Sozialwohnungen umgebaut werden. Wann mit einer Realisierung zu rechnen ist, ist unklar. Die Stiftung der IUAV wurde mit einer Studie beauftragt.

Meldung im Gazzettino vom 08.01.2007

Kurz nach Beginn des neuen Jahres fand eine erste Hiobsbotschaft Eingang in die Medien. Die Zahl der Bewohner des historischen Zentrums Venedig ist auf 61611 Einwohner gesunken. Die Meldung kam freilich nicht unerwartet. Während die Sestieri Cannaregio, San Marco und Castello innerhalb des Kalenderjahres 2006 zusammen 558 Einwohner verloren, betrug der Verlust in den Vierteln San Polo, Santa Croce und Dorsoduro (einschließlich der Giudecca) lediglich 127 Einwohner, was wohl auf die Konzentration universitärer Einrichtungen und die Nähe des Piazzale Roma zurückzuführen ist.
Eine Konzentration älterer Einwohner ist in den Gebieten S. Marco, Sant’Elena und Cannaregio festzustellen. Der höchste Anteil an Kindern ist auf Murano und Pellestrina zu konstatieren..

Meldung im Gazzettino vom 02. Januar 2007; Quelle: Servizio Statistica e Ricerca del Comune di Venezia

Festa della Salute 2006

23. November 2006

Wie auch die Festa del Redentor Anfang Juli ist die Festa della Salute am 21. November ein Feiertag, der von der Regierung der Republik Venedig anläßlich der Erlösung der Stadt von einer Pestepidemie eingeführt wurde. Für beide Feste wurden eigens Votivkirchen – Il Redentore und Santa Maria della Salute – errichtet, die heute zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt zählen.

Bereits einige Tage vor dem Fest war, wie jedes Jahr seit 1630, die Pontonbrücke errichtet worden, die den Campo Santa Maria Zobenigo vorübergehend mit der Calle del Traghetto bei San Gregorio verbindet. Zahlreiche Venezianer, die Verkäufer für Votivkerzen und auch erstaunlich viele Touristen ließen sich von Nieselregen und Kälte nicht abhalten und verstopften die schmalen Gassen, die zur Kirche Santa Maria della Salute führen, um der Messe Seiner Exzellenz des Patriarchen Angelo Scola um zehn Uhr beizuwohnen. In Predigt verurteilte der Patriarch insbesondere Gewalt unter Jugendlichen und den bullismo, also Mobbing unter Schülern, und stellte intakte Familienstrukturen mit katholischem Hintergrund als beste Lösung der Problematik dar. Ferner dankte Seine Exzellenz für die begonnen Restaurierungsmaßnahmen an der Salute-Kirche. Das Fest wurde um 22 Uhr mit einem Gebet beschlossen.

Autonome nutzten eine Tagung des Arbeitsministers und anderer hochrangiger Politiker im Dogenpalast am 03 November aus, um sich in der überregionalen Pressen zu placieren. Während der Mittagspause drangen rund vierzig, später achtzig der euphemistisch als disobbedienti beizeichneten Personen unter der Führung von Luca Casarini in den Palazzo Comunale ein und zwangen die Politiker zur Verlagerung ihrer Aktivitäten in das Rathaus Ca’Farsetti. Glücklicherweise erlitt die Innendekoration keinen Schaden. Der Direktor der städtischen Museen, Giandomenico Romanelli, fordert nun, daß die Benutzung musealer Einrichtungen für derartige Veranstaltungen ein Ende haben müsse, gingen doch auch erhebliche Einnahmen aus Eintrittsgeldern verloren, ohne daß dies adäquat kompensiert werde.

Mord bei den Giardini

28. September 2006

Bislang waren die sogenannten venditori ambulanti – Ausländer, die sich illegal in Italien befinden und gefälschte Waren verkaufen – vor allem durch Wirtschafts- und Drogendelikte bekannt. Seit gestern aber hat die importierte Kriminalität eine andere Qualität: Bei den Giardini, wo derzeit die Architekturbiennale stattfindet, erstach am hellichten Tage ein Chinese einen Landsmann und Konkurrenten. Der Mörder flüchtete und konnte erst nach mehreren hundert Metern in einer Bar am Campo Santa Maria Formosa gestellt werden. Noch bei seiner Festnahme verletzte er drei Polizisten, die im Krankenhaus behandelt werden mußten.

Freilich meldeten sich sogleich Politiker zu Wort, die jetzt ein rigideres Vorgehen gegen die omnipräsenten Verkäufer von gefälschten Markenartikeln aus dem Luxusbereich wie Taschen oder Rolex-Uhren fordern. Doch hat erst die Laisser-faire-Politik der letzten Jahre hat zu einem ungehinderten Ausbreiten dieser Mafia in Venedig geführt. Der Venedig-Blog geht nicht davon aus, daß sich in absehbarer Zeit etwas ändern wird.