Denkmalpflege all'italiana: verfallendes Pfarrhaus bei Treviso

Nachdem vor wenigen Monaten im Stadtbauamt zwei Angestellte der Bestechlichkeit überführt wurden (wenn Sie jetzt Ihr Bad renovieren wollen, müssen sie inzwischen mehr als 200 Tage für die Genehmigung ansetzen), scheint ein Korruptionsskandal nun auch das der Region unterstehende Istituto Regionale per le Ville Venete zu erschüttern. Das Institut ist nach Satzung nicht nur für die Erforschung der rund 4.000 Villen im Veneto zuständig (jüngst wurde in Zusammenarbeit mit einem namhaften Forschungsinstitut ein mehrbändiger Gesamtkatalog der Fresken in den Villen publiziert), sondern auch für die Vergabe von Zuschüssen bei Restaurierungen sowie günstige Baukredite. Wo Geld im Spiel ist, ist in Italien die Korruption bekanntlich nicht weit: am Mittwoch wurde ein beim Institut angestellter Architekt unter Hausarrest gestellt. Er soll-gegen bares-in mindestens 15 Fällen auf dem Papier das Gebäudevolumen erhöht haben, um höhere Zuschüsse zu rechtfertigen. Da kann die Renovierung eines Daches schon mal schnell ein paar hunderttausend Euro kosten. Kluge Politiker könnten die Vorwürfe zum Anlaß nehmen, die Existenz des Instituts kritisch zu überprüfen.

Ein Brand im Dachstuhl hat in der Nacht vom 29. auf den 30. August das derzeit in Restaurierung befindliche Seminar des Patriarchen beschädigt und zwangsläufig Erinnerungen an das verheerende Feuer wach werden lassen, dem 1996 das Theater La Fenice zum Opfer fiel. Glücklicherweise konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden, bevor er an die angrenzende Kirche Santa Maria della Salute übergreifen konnte, die eine hölzerne, bleigedeckte Kuppel besitzt. Das Ölgemälde David und Goliath des berühmten Renaissancemalers Tizian an der Decke der Sakristei wurde leider durch Löschwasser erheblich beschädigt. Zur Brandursache ist noch nichts bekannt.
Die Zeitung Il Gazzettino publizierte mehrere Videos zum Brand.

San Michele wieder geöffnet

4. November 2009

Nach gut zwei Jahren Restaurierung im Auftrag der Stadt wurde an Allerseelen, zweiter November, die Kirche San Michele wiedereröffnet. Da es sich um die erste Frührenaissancekirche des venezianischen Archipels und um ein Werk des genialen Architekten Mauro Codussi handelt, ist dies ein Grund, näher hinzuschauen. Die Restaurierung betraf ausschließlich den Innenraum, der jetzt in ungewohnten weiß hell erstrahlt. Allfällige spätere dunklere Schichten auf dem weißen Marmorinoputz wurden entfernt, und Fehlstellen ergänzt. Eine prächtige Farbwirkung geht jetzt von der gereingten partiellen Marmorverkleidung am Übergang von Mittelschiff zur Vierungskuppel aus. Überaus störend sind hingegen die großen, monströsen Lampen, die an zwei Seiten der Mittelschiffkapitelle angebracht wurden und die die Kassettendecke beleuchten. Das Datum der Übergabe, bei der auch der Patriach nebst Weihbischof anwesend waren, war politisch konnotiert. Faktisch ist die Restaurierung noch nicht beendet, da weite Teile der Holzverkleidung noch fehlen. Ob die Kirchenbänke wieder zurückkehren war nicht zu klären, derzeit ist San Michiele, ebenso wie die Basilika auf Torcello, mit faltbaren Sitzreihen bestückt, die den Gläubigen nicht die Möglichkeit des Knienes erlauben. Immerhin handelt es sich nach wie vor um eine katholische Kirche.

Brunnen
Existiert noch: vera da pozzo im Corte Surian.

Innerhalb weniger Tage wurden in Venedig zwei Brunnenaufsätze, sogenannte Vere da pozzo, gestohlen. Einer befand sich in einem kleinen Hof in der Pfarrei von San Cassian, der andere im Cannaregio bei San Giobbe. Vere di pozzo bestehen meist aus istrischem Kalkstein oder rotem Veroneser Marmor und sind in der Regel künstlerisch gestaltet, mit Wappen oder sonstigen Dekorationen versehen. Sie dienten zur Entnahme des Trinkwassers aus den Zisternen. Angesichts des Gewichts müssen die Diebe die zentnerschweren Objekte, die sich beide in nichttouristischen, dünn besiedelten Gebieten befanden, mittels eines Bootes abtransportiert haben. Angeblich erzielen die Brunnen, von denen bereits im 19. Jahrhundert zahlreiche ihren Weg ins Ausland fanden, heute Liebhaberpreise bis zu dreihunderttausend Euro. Obwohl in Lokalzeitungen Fahndungsfotos veröffentlicht wurden, ist die Hoffnung gering, daß die vere aufgefunden und an ihren alten Platz zurückkehren werden

Wie die Zeitung Gazzettino am 21.März berichtet, möchten die Firmen Soles aus Forlì und Mattioli aus Padova ein vor drei Jahren patentiertes Verfahren zur Anhebung von Gebäuden an einem Musterbeispiel in Venedig ausprobieren. In Aussicht genommen wurde hierfür der allseitig freistehende Palazzo dei Camerlenghi aus dem späten 15. und frühen 16. Jh., das, wie weite Teile des Sestiere von San Polo nahe der Rialtobrücke, erheblich abgesunken ist. Das Erdgeschoß des Palasts, der auf eine lange, teils wenig glückliche Restaurierungsgeschichte zurückblicken kann, steht bei Acqua Alta regelmäßig unter Wasser. Das Verfahren basiert vereinfacht auf der Schaffung einer neuen Fundamentierung in Form einer Betonplatte unter dem bestehenden Gebäude, welches dann hydraulisch an neuen Pfählen angehoben werden soll.
Da alle Gelder des Legge speciale per Venezia derzeit in das Großprojekt MOSE fließen, sollen angesichts der klammen Kassen jetzt die privaten ausländischen Komitees zur Rettung Venedigs von dem Vorhaben überzeugt werden und die veranschlagten drei Millionen Euro bereitstellen. Gewichtige Argumente aber sprechen gegen einen Test dieses Verfahrens ausgerechnet an einem so bedeutenden Gebäude wie dem Palazzo dei Camerlenghi, das in einer der fragilsten Zonen Venedigs steht: fehlende Erkenntnisse über die Effektivität und Langzeitauswirkungen der Methode am spezifisch venezianischen Untergrund, die an einem weniger anspruchsvollen Bau vorher getestet werden sollten, und die denkmalpflegerisch bedenkliche Irreversibilität des Eingriffs.