San Michele wieder geöffnet
4. November 2009
Nach gut zwei Jahren Restaurierung im Auftrag der Stadt wurde an Allerseelen, zweiter November, die Kirche San Michele wiedereröffnet. Da es sich um die erste Frührenaissancekirche des venezianischen Archipels und um ein Werk des genialen Architekten Mauro Codussi handelt, ist dies ein Grund, näher hinzuschauen. Die Restaurierung betraf ausschließlich den Innenraum, der jetzt in ungewohnten weiß hell erstrahlt. Allfällige spätere dunklere Schichten auf dem weißen Marmorinoputz wurden entfernt, und Fehlstellen ergänzt. Eine prächtige Farbwirkung geht jetzt von der gereingten partiellen Marmorverkleidung am Übergang von Mittelschiff zur Vierungskuppel aus. Überaus störend sind hingegen die großen, monströsen Lampen, die an zwei Seiten der Mittelschiffkapitelle angebracht wurden und die die Kassettendecke beleuchten. Das Datum der Übergabe, bei der auch der Patriach nebst Weihbischof anwesend waren, war politisch konnotiert. Faktisch ist die Restaurierung noch nicht beendet, da weite Teile der Holzverkleidung noch fehlen. Ob die Kirchenbänke wieder zurückkehren war nicht zu klären, derzeit ist San Michiele, ebenso wie die Basilika auf Torcello, mit faltbaren Sitzreihen bestückt, die den Gläubigen nicht die Möglichkeit des Knienes erlauben. Immerhin handelt es sich nach wie vor um eine katholische Kirche.
Schwerer Diebstahl: Brunnen
1. Juni 2008

Existiert noch: vera da pozzo im Corte Surian.
Innerhalb weniger Tage wurden in Venedig zwei Brunnenaufsätze, sogenannte Vere da pozzo, gestohlen. Einer befand sich in einem kleinen Hof in der Pfarrei von San Cassian, der andere im Cannaregio bei San Giobbe. Vere di pozzo bestehen meist aus istrischem Kalkstein oder rotem Veroneser Marmor und sind in der Regel künstlerisch gestaltet, mit Wappen oder sonstigen Dekorationen versehen. Sie dienten zur Entnahme des Trinkwassers aus den Zisternen. Angesichts des Gewichts müssen die Diebe die zentnerschweren Objekte, die sich beide in nichttouristischen, dünn besiedelten Gebieten befanden, mittels eines Bootes abtransportiert haben. Angeblich erzielen die Brunnen, von denen bereits im 19. Jahrhundert zahlreiche ihren Weg ins Ausland fanden, heute Liebhaberpreise bis zu dreihunderttausend Euro. Obwohl in Lokalzeitungen Fahndungsfotos veröffentlicht wurden, ist die Hoffnung gering, daß die vere aufgefunden und an ihren alten Platz zurückkehren werden
“Progetto Rialto” – Neue Fundamente für alte Paläste?
23. März 2008

Wie die Zeitung Gazzettino am 21.März berichtet, möchten die Firmen Soles aus Forlì und Mattioli aus Padova ein vor drei Jahren patentiertes Verfahren zur Anhebung von Gebäuden an einem Musterbeispiel in Venedig ausprobieren. In Aussicht genommen wurde hierfür der allseitig freistehende Palazzo dei Camerlenghi aus dem späten 15. und frühen 16. Jh., das, wie weite Teile des Sestiere von San Polo nahe der Rialtobrücke, erheblich abgesunken ist. Das Erdgeschoß des Palasts, der auf eine lange, teils wenig glückliche Restaurierungsgeschichte zurückblicken kann, steht bei Acqua Alta regelmäßig unter Wasser. Das Verfahren basiert vereinfacht auf der Schaffung einer neuen Fundamentierung in Form einer Betonplatte unter dem bestehenden Gebäude, welches dann hydraulisch an neuen Pfählen angehoben werden soll.
Da alle Gelder des Legge speciale per Venezia derzeit in das Großprojekt MOSE fließen, sollen angesichts der klammen Kassen jetzt die privaten ausländischen Komitees zur Rettung Venedigs von dem Vorhaben überzeugt werden und die veranschlagten drei Millionen Euro bereitstellen. Gewichtige Argumente aber sprechen gegen einen Test dieses Verfahrens ausgerechnet an einem so bedeutenden Gebäude wie dem Palazzo dei Camerlenghi, das in einer der fragilsten Zonen Venedigs steht: fehlende Erkenntnisse über die Effektivität und Langzeitauswirkungen der Methode am spezifisch venezianischen Untergrund, die an einem weniger anspruchsvollen Bau vorher getestet werden sollten, und die denkmalpflegerisch bedenkliche Irreversibilität des Eingriffs.
Tizians Spätwerk in der Accademia
16. März 2008

Die Gallerie dell’Accademia, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Italiens, huldigen dem Spätwerk des Malerfürsten Tizian derzeit mit einer Ausstellung. Die im Obergeschoß der ehemaligen Kirche der Carità gezeigten Bilder sind fast ausschließlich von höchster Qualität, die Ausstellungarchitektur, abgesehen von der Hängung der “Hl. Margarethe mit dem Drachen” und der Hintergrundfarbe der Wände, weitgehend gelungen und die Ausleuchtung der Werke durchweg effektiv. Vertreten sind unter anderem die Portraits von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen (1555), Paul III Farnese aus dem Museum Capodimonte Neapel (siehe Bild), die Allegorie der Lebensalter, die hervorragende Schindung des Marsyas aus dem Bischofspalast Kroměříž und das Ecce Homo aus St. Louis.
Die sehr empfehlenswerte Ausstellung kann noch bis 20. April besucht werden. Der Eintritt kostet 10 Euro. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Ausstellung Ultimo Tiziano.
Beginn der Arbeiten an der Dogana
27. Februar 2008

Seit kurzem hat der Umbau der ehemaligen Zollbehörde Dogana da Mar, welche an der östlichsten Spitze des Sestiere Dorsoduro gelegen ist, zu einem Museum für zeitgenössische Kunst des französischen Milliardärs und Sammlers Pinault begonnen (wir berichteten). Das Projekt des japanischen Architeten Tadao Ando wurde zunächst von der Denkmalpflege und der Commissione di Salvaguardia abgelehnt, hatte der international gefeierte Baumeister doch die immensen Klimatisierungsanlagen für Kunst und Besucher offen auf dem Dach des flachen Baukörpers anordnen wollen, womit sie weithin sichtbar gewesen wären.

Bei anderen Umbauten, wie dem Palazzo Sagredo, in dem nun nach weitgehend mißglückter Sanierung ein Fünf-Sterne-Hotel untergebracht ist, haben die Institutionen, die sich allem Anschein nach mehr um die Stadtbild- als die Denkmalpflege kümmern, nicht so genau hingeschaut. Oder aus Fehlern gelernt. Bei der Dogana jedenfalls wird die Klimatisierung jetzt unter einem zweiten Ziegeldach versteckt werden. Der alte Dachstuhl ist bereits weitgehend demontiert, und im Inneren wird fleißig betoniert.




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