Seit kurzem hat der Umbau der ehemaligen Zollbehörde Dogana da Mar, welche an der östlichsten Spitze des Sestiere Dorsoduro gelegen ist, zu einem Museum für zeitgenössische Kunst des französischen Milliardärs und Sammlers Pinault begonnen (wir berichteten). Das Projekt des japanischen Architeten Tadao Ando wurde zunächst von der Denkmalpflege und der Commissione di Salvaguardia abgelehnt, hatte der international gefeierte Baumeister doch die immensen Klimatisierungsanlagen für Kunst und Besucher offen auf dem Dach des flachen Baukörpers anordnen wollen, womit sie weithin sichtbar gewesen wären.

Bei anderen Umbauten, wie dem Palazzo Sagredo, in dem nun nach weitgehend mißglückter Sanierung ein Fünf-Sterne-Hotel untergebracht ist, haben die Institutionen, die sich allem Anschein nach mehr um die Stadtbild- als die Denkmalpflege kümmern, nicht so genau hingeschaut. Oder aus Fehlern gelernt. Bei der Dogana jedenfalls wird die Klimatisierung jetzt unter einem zweiten Ziegeldach versteckt werden. Der alte Dachstuhl ist bereits weitgehend demontiert, und im Inneren wird fleißig betoniert.

Canonica Kanal

Vom Palazzo Comunale oder vulgo Dogenpalast, der erst kürzlich wegen eines heruntergefallenen Bogenstücks für unangenehme Schlagzeilen und erheblichen Rechtfertigungsdruck bei der Denkmalpflegebehörde gesorgt hatte, gibt es neue Hiobsbotschaften zu vermelden. Nach einer Untersuchung, welche von oben abgeseilte Experten an der Ostfassade durchgeführt hatten, wurde der angrenzende Kanal zur Hälfte für den Bootsverkehr gesperrt (siehe Foto), da weite Teile der Steinverkleidung herunterfallen können. Der womöglich vom Architekten Mauro Codussi errichtete Osttrakt des Dogenpalasts ist der jüngste Bauteil des Komplexes und birgt unter anderem die Dogenwohnung und den Saal des Senats. Die vollständig mit istrischem Kalkstein, Marmor und geringegen Mengen von Porphyr und Serpentin verkleidete Fassade wurde, im Gegensatz zu den gotischen Schauseiten zur Lagune und zur Piazzetta, noch nie einer gründlichen Sanierung unterzogen. Hierfür hat, wie nicht anders zu erwarten war, die chronisch klamme Stadtverwaltung keine Mittel und kann nur zweihundertfünftigtausend Euro für die Errichtung eines Gerüsts zur Verfügung stellen. Der Venedig Blog geht von einem notwendigem achtstelligen Betrag aus – ungefähr soviel, wie die nutzlose vierte Brücke über den Canal Grande kostete.

Palazzo Labia

Klare Nachrichten darüber fehlen bislang. Gerüchten zufolge plant der italienische Rundfunk RAI, Eigentümer des Palazzo Labia, diesen zu verkaufen, um angesichts der derzeit erzielbaren Preise kräftig Kasse zu machen. Bislang sind in dem Gebäude, zweifellos einer der prächtigsten Paläste Venedigs, Büros des Rundfunks untergebracht, die aufs Festland verlagert werden würde – eine weitere kurzsichtige Standortentscheidung zu Ungunsten der Altstadt. Unter den bekannt gewordenen Interessenten ist angeblich auch der achtzigjährige Mailänder Industrielle Angelo Guido Terruzzi, der beim Tauziehen um den Palazzo Grassi den kürzeren gezogen hatte. In der Tat gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort als den Palazzo Labia, um Terruzzis Sammlung barocker Malerei zu beherbergen – und damit gleichzeitig eines der Hauptwerke Giovanni Battista Tiepolos, den Freskenzyklus der Geschichte Antonios und Kleopatras im Ballsaal des Palasts, einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen.

Steinschlag am Dogenpalast

1. Oktober 2007

Wohl durch die Unwetter der vergangenen Tage hat sich am Dogenpalast ein mehrere Kilogramm schwerer Stein, genauer ein Teil der Bogenlaibung eines der Fenster der Sala del Maggior Consiglio, gelöst und fiel herunter. Es handelt sich nicht um einen “Marmorblock”, wie in anderen Medien behauptet wird, sondern um istrischen Kalkstein. Durch Splitter, die beim Aufprall auf den Markusplatz entstanden, wurde ein deutscher Tourist verletzt. Das Fenster wurde provisorisch gesichert und die Stelle weiträumig abgesperrt.

Am 11. September 2007 wurde auf der Insel San Giorgio Maggiore, Sitz der Fondazione Cini, eine perfekte Kopie der “Hochzeit von Kanaa” des Renaissancemalers Paolo Caliari, genannt Veronese (1528-1588), enthüllt. Ursprünglich befand sich das Gemälde an der Stirnwand des Refektoriums des Benediktinerklosters San Giorgio, wurde aber im Rahmen der umfassenden Plünderung Venedigs durch Napoleon nach Paris verbracht. Im dortigen Louvre hängt es heute gegenüber der Mona Lisa. Da eine Restitution des 1563 vollendeten Gemäldes, das die Wandlung von Wasser zu Wein eher als Nebenhandlung inmitten einer prachtvollen Renaissanearchitektur zeigt, zwar seit Jahren immer wieder angeregt wurde, aber letztlich freilich scheiterte, entschloß sich die Stiftung Cini, bei Factum Arte, einem auf Kopien von Kunstwerken spezialisierten Unternehmen, eine perfekte Reproduktion im Maßstab 1:1 in Auftrag zu geben. Diese entstand unter enornem technischen Aufwand ab Ende 2006 zunächst durch Aufnahme des 9,90 x 6,69 m großen Originals mittels modernster digitaler Technik (Einsatz der digitalen 22-Megapixel Mittelformat-Rückwand Phase One H25). Die nach Bearbeitung gedruckten Kacheln wurden auf einen Leinwandträger übertragen, der die Oberfläche des Originals exakt nachahmt. In der Tat ist die unter viel Applaus begrüßte und am ursprüglichen Hängeort des von Andrea Palladio geschaffenen Raums angebrachte Kopie in technischer Hinsicht hervorragend gelungen. Die im Vorfeld vieldiskutierte “Aura” des Kunstwerks konnte der Verfasser allerdings nicht wahrnehmen.
Informationen in englischer Sprache: A facsimile of the Wedding at Cana by Paolo Veronese