Restaurierung der Salute-Kirche hat begonnen
20. März 2007

Baugerüst an der Kirche Santa Maria della Salute
Die mächtige Kuppel von Santa Maria della Salute am Eingang zum Canal Grande ist eines der Wahrzeichen Venedigs. Die im 17. Jahrhundert zum Dank an die Erlösung von einer Pestepidemie vom unbestrittenen Meister der venezianischen Barockarchitektur, dem Architekten Baldassare Longhena, erbaute Kirche leidet seit einiger Zeit an undichten Stellen in der Kuppel. Das in den letzten Wochen errichtete Gerüst, an sich schon ein Kunstwerk, ist fertig. Die rund zwei Millionen Euro teure Sanierungsmaßnahme der Holzkonstruktion, welche von Professor Mario Piana, einer der wenigen Koryphäen der venezianischen Denkmalpflege, geleitet wird, hat vor wenigen Tagen begonnen. Piana hat zudem vor kurzem eine hochinteressante Publikation zur Kirche vorgelegt. Der Venedig-Blog ist daher von einem guten Gelingen der Baumaßnahmen fest überzeugt.
Neuigkeiten von der Dogana
2. Februar 2007
Die Kommission zur künftigen Nutzung der Dogana da Mar (wir berichteten) hat vor gut einer Woche gesprochen, aber nicht entschieden. Denn die beiden Bewerber, Palazzo Grassi mit dem Architekten Tadao Ando und Guggenheim mit Zaha Hadid haben nach dem Urteil der Kommission geichermaßen 95 von 100 Punkten in der Bewertung erhalten. Der nach der Bekanntgabe wiederholte Wunsch zahlreicher Kommunalpolitiker, die beiden anerkannten Institutionen sollten kooperieren, da sie jeweils unterschiedliche Bereiche der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts abdecken (Guggenheim: “moderne” Kunst/Palazzo Grassi-Pinault: “zeitgenössische” Kunst), wird nicht in Erfüllung gehen. Am 29. Januar erteilte der Direktor des Palazzo Grassi, Jean-Jacques Aillagon, mit der Begrüdung “Dalla Guggenheim ufficialmente non abbiamo ricevuto alcuna offerta di collaborazione, ma obiettivamente è difficile mettere insieme due grandi realtà come le nostre” eine Absage. Eine baldige Lösung der seit Jahren virulenten Nutzungsfrage ist damit ausgeschlossen.
Quelle: Gazzettino vom 30.01.2007
Drei Bilder von Tintoretto werden im Prado gezeigt
20. Januar 2007

J. Robusti, gen. Tintoretto: Abendmahl, 1566. Venedig, San Trovaso
Am Ende nützte die Intervention der venezianischen Denkmalbehörde nichts: Auf politischen Druck Spaniens gab das Kultusministerium in Rom höchstselbst dem Ersuchen des Museo del Prado nach, für eine Ausstellung vom 30. Januar bis zum 13. Mai drei Versionen von Jacopo Tintorettos Letztem Abendmahl nach Madrid auszuleihen. Es handelt sich um die Bilder in den Kirchen San Giorgio Maggiore, San Marcuola und San Trovaso. Während das Bild in erstgenannter Kirche Eigentum des italienischen Staates ist, gehören die beiden andern Bilder der Kurie. Die oft unglückliche Leiterin der Denkmalbehörde, Renata Codello, hatte zurecht konservatorische Gründe für ihr nunmehr nichtiges Ausfuhrverbot geltend gemacht: die teils erstmalige Entfernung aus den Mikroklimata der venezianischen Kirchen und der Transport könnten den großformatigen Bildern schwer schaden. Zudem werden die Bilder von spanischen Restauratoren “bearbeitet” werden, ohne daß die Langzeitfolgen der Behandlung absehbar sind.
Die mißglückteste Sanierung des Jahres 2006
31. Dezember 2006

Als vor wenigen Tagen am Haus San Marco 3427 in der sogenannten Piscina San Samuele, einer breiten Gasse zwischen Campo San Stefano und dem Traghetto, die Gerüste abgebaut wurden, glaubte man seinen Augen nicht trauen zu können. Die recht schlichte, nur mit Marmorplatten in den Bogenzwickeln dekorierte Fassade präsentiert sich neuerdings in einem schreienden Rot, welches die wesentlich größeren Schauseiten benachbarter Bauten wie den Palästen Querini und Pisani erfolgreich in den Hintergrund zu drängen vermag. Nicht nur für das Stadtbild ist die Wahl der Farbe eine Katastrophe; auch zeigt der schlampig und vermutlich von unqualifizierten Arbeitskräften aufgetragene Putz im unteren Bereich bereits erste Verfallserscheinungen. Während selbst alle Rundbogen mit Rot übertüncht wurden, erhielten die mittleren Pfeiler der Loggien und die Verdachungen derselben eine weiße Fassung, so daß die Elemente zusammenhanglos erscheinen.
Wie bei allen mißlungenen Sanierungen der letzten Jahre gibt es neben dem Eigentümer der Immobilie drei Hauptschuldige: der in der Regel nicht ausreichend ausgebildete Architekt oder Baumeister (der für die Farb- und Putzwahl verantwortlich ist), die Denkmalbehörde (die keinen Einspruch erhob) und die Stadtverwaltung (die das Projekt akzeptierte und keine verbindlichen Richtlinien zur Pflege des geschundenen Stadtbilds Venedigs ausgearbeitet hat). Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht, obwohl es an Publikationen gelungener Restaurierungen und auch qualifizierten Planern nicht fehlt.

Museum für erotische Kunst: Kurzes Vergnügen
6. Dezember 2006
Am 28. November schloß das Museo di arte erotica † seine Pforten. Das erst während des Karnevals 2005 in einem gemieteten Palazzo nahe dem Markusplatz eröffnete Museum für erotische Kunst litt von Anfang an an chronischem Besuchermangel, und zwar nicht nur unter Touristen. (Auch der Venedig-Blog hat das Haus nie von innen gesehen.) Die Exponate sind bereits in weiten Teilen nach Paris, wo sie auch ursprünglich herstammen, zurückgeführt worden. Mit einiger Verbitterung mutmaßte jetzt der einstige Leiter des Etablissements, Frank Birch, ob das ewig währende Geschwätz vom Disneyland Venedig nicht doch im Grunde wahr sei. Doch ist auch zutreffend, daß das Museum nie mit publikumswirksamer Werbung hervorgetreten ist.



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