Drei Bilder von Tintoretto werden im Prado gezeigt
20. Januar 2007

J. Robusti, gen. Tintoretto: Abendmahl, 1566. Venedig, San Trovaso
Am Ende nützte die Intervention der venezianischen Denkmalbehörde nichts: Auf politischen Druck Spaniens gab das Kultusministerium in Rom höchstselbst dem Ersuchen des Museo del Prado nach, für eine Ausstellung vom 30. Januar bis zum 13. Mai drei Versionen von Jacopo Tintorettos Letztem Abendmahl nach Madrid auszuleihen. Es handelt sich um die Bilder in den Kirchen San Giorgio Maggiore, San Marcuola und San Trovaso. Während das Bild in erstgenannter Kirche Eigentum des italienischen Staates ist, gehören die beiden andern Bilder der Kurie. Die oft unglückliche Leiterin der Denkmalbehörde, Renata Codello, hatte zurecht konservatorische Gründe für ihr nunmehr nichtiges Ausfuhrverbot geltend gemacht: die teils erstmalige Entfernung aus den Mikroklimata der venezianischen Kirchen und der Transport könnten den großformatigen Bildern schwer schaden. Zudem werden die Bilder von spanischen Restauratoren “bearbeitet” werden, ohne daß die Langzeitfolgen der Behandlung absehbar sind.
Die mißglückteste Sanierung des Jahres 2006
31. Dezember 2006

Als vor wenigen Tagen am Haus San Marco 3427 in der sogenannten Piscina San Samuele, einer breiten Gasse zwischen Campo San Stefano und dem Traghetto, die Gerüste abgebaut wurden, glaubte man seinen Augen nicht trauen zu können. Die recht schlichte, nur mit Marmorplatten in den Bogenzwickeln dekorierte Fassade präsentiert sich neuerdings in einem schreienden Rot, welches die wesentlich größeren Schauseiten benachbarter Bauten wie den Palästen Querini und Pisani erfolgreich in den Hintergrund zu drängen vermag. Nicht nur für das Stadtbild ist die Wahl der Farbe eine Katastrophe; auch zeigt der schlampig und vermutlich von unqualifizierten Arbeitskräften aufgetragene Putz im unteren Bereich bereits erste Verfallserscheinungen. Während selbst alle Rundbogen mit Rot übertüncht wurden, erhielten die mittleren Pfeiler der Loggien und die Verdachungen derselben eine weiße Fassung, so daß die Elemente zusammenhanglos erscheinen.
Wie bei allen mißlungenen Sanierungen der letzten Jahre gibt es neben dem Eigentümer der Immobilie drei Hauptschuldige: der in der Regel nicht ausreichend ausgebildete Architekt oder Baumeister (der für die Farb- und Putzwahl verantwortlich ist), die Denkmalbehörde (die keinen Einspruch erhob) und die Stadtverwaltung (die das Projekt akzeptierte und keine verbindlichen Richtlinien zur Pflege des geschundenen Stadtbilds Venedigs ausgearbeitet hat). Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht, obwohl es an Publikationen gelungener Restaurierungen und auch qualifizierten Planern nicht fehlt.

Museum für erotische Kunst: Kurzes Vergnügen
6. Dezember 2006
Am 28. November schloß das Museo di arte erotica † seine Pforten. Das erst während des Karnevals 2005 in einem gemieteten Palazzo nahe dem Markusplatz eröffnete Museum für erotische Kunst litt von Anfang an an chronischem Besuchermangel, und zwar nicht nur unter Touristen. (Auch der Venedig-Blog hat das Haus nie von innen gesehen.) Die Exponate sind bereits in weiten Teilen nach Paris, wo sie auch ursprünglich herstammen, zurückgeführt worden. Mit einiger Verbitterung mutmaßte jetzt der einstige Leiter des Etablissements, Frank Birch, ob das ewig währende Geschwätz vom Disneyland Venedig nicht doch im Grunde wahr sei. Doch ist auch zutreffend, daß das Museum nie mit publikumswirksamer Werbung hervorgetreten ist.
Bedeutendster archäologischer Fund der letzten Jahre in Venedig
23. November 2006
Auf dem Gelände des Palazzo Genovese nahe der Salute-Kirche wurden Keramiken sowie eine Bronzemünze aus der Zeit des römischen Kaisers Hadrian (um 130 n.Chr.) gefunden. Es handelt sich damit nicht nur um den Fund der mutmaßlich ältesten Siedlung in der Lagune von Venedig, sondern auch der ältesten Münze römischer Provenienz in Italien, so Luigi Fozzati von der archäologischen Abteilung der Denkmalpflege in Venedig. Die Objekte wurden in einer Tiefe von 2,20 Metern ausgegraben. Wie weitere Untersuchungen ergaben, wurden im 2. Jh. nach Christus auch Melonen auf dem Areal angebaut. Für die Stadtbaugeschichte ergeben sich aufgrund der Lage des Fundorts am östlichen Ende des Sestiere Dorsoduro neue Fragestellungen.
Der neugotische, sowohl in der Proportionierung wie in den Details mißlungene Palazzo Genovese wurde im frühen 20. Jahrhundert - gegen Widerstand in der Bevölkerung- anstelle eines Teils des Klosters von San Gregorio errichtet. Seit einigen Jahren wird er für sieben Millionen Euro zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut, das wohl 2008 eröffnet wird. Die archäologische Fundstelle wird jetzt in das Hotelkonzept integriert.
200 Jahre Fortbestand der Scuola Grande di San Rocco
11. November 2006
Als einzige der zahlreichen Laienbruderschaften Venedigs (Scuole), wurde die Scuola Grande di San Rocco nicht unter der Herrschaft Napoleons nach 1797 aufgelöst. Heute ist sie aus dem religiös-kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Ihre Rettung verdankt sie maßgeblich don Sante della Venerina, einem Priester, der bei Napoleon mehrfach um den Erhalt seiner Stelle - und damit der Bruderschaft - ersuchte, was schließlich auch 1806 gelang. Die Scuola Grande di San Rocco hat also allen Grund, den zweihundertjährigen Jahrestag ihres Fortbestehens zu feiern. Am 8. November wurde nicht nur eine Ausstellung mit allen relevanten, erhaltenen Dokumenten und Teilen der Schatzkammer in der Scuola eröffnet, sondern auch durch Marino Zorzi (Biblioteca Marciana), Giandomenico Romanelli und Raffaele Santoro (Staatsarchiv) eine Publikation präsentiert. Sie trägt den Titel 1806 La Scuola Grande salvata und wurde von Maria Agnese Chiari Moretto Wiel herausgegeben.




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