Museum für erotische Kunst: Kurzes Vergnügen
6. Dezember 2006
Am 28. November schloß das Museo di arte erotica † seine Pforten. Das erst während des Karnevals 2005 in einem gemieteten Palazzo nahe dem Markusplatz eröffnete Museum für erotische Kunst litt von Anfang an an chronischem Besuchermangel, und zwar nicht nur unter Touristen. (Auch der Venedig-Blog hat das Haus nie von innen gesehen.) Die Exponate sind bereits in weiten Teilen nach Paris, wo sie auch ursprünglich herstammen, zurückgeführt worden. Mit einiger Verbitterung mutmaßte jetzt der einstige Leiter des Etablissements, Frank Birch, ob das ewig währende Geschwätz vom Disneyland Venedig nicht doch im Grunde wahr sei. Doch ist auch zutreffend, daß das Museum nie mit publikumswirksamer Werbung hervorgetreten ist.
Bedeutendster archäologischer Fund der letzten Jahre in Venedig
23. November 2006
Auf dem Gelände des Palazzo Genovese nahe der Salute-Kirche wurden Keramiken sowie eine Bronzemünze aus der Zeit des römischen Kaisers Hadrian (um 130 n.Chr.) gefunden. Es handelt sich damit nicht nur um den Fund der mutmaßlich ältesten Siedlung in der Lagune von Venedig, sondern auch der ältesten Münze römischer Provenienz in Italien, so Luigi Fozzati von der archäologischen Abteilung der Denkmalpflege in Venedig. Die Objekte wurden in einer Tiefe von 2,20 Metern ausgegraben. Wie weitere Untersuchungen ergaben, wurden im 2. Jh. nach Christus auch Melonen auf dem Areal angebaut. Für die Stadtbaugeschichte ergeben sich aufgrund der Lage des Fundorts am östlichen Ende des Sestiere Dorsoduro neue Fragestellungen.
Der neugotische, sowohl in der Proportionierung wie in den Details mißlungene Palazzo Genovese wurde im frühen 20. Jahrhundert – gegen Widerstand in der Bevölkerung- anstelle eines Teils des Klosters von San Gregorio errichtet. Seit einigen Jahren wird er für sieben Millionen Euro zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut, das wohl 2008 eröffnet wird. Die archäologische Fundstelle wird jetzt in das Hotelkonzept integriert.
200 Jahre Fortbestand der Scuola Grande di San Rocco
11. November 2006
Als einzige der zahlreichen Laienbruderschaften Venedigs (Scuole), wurde die Scuola Grande di San Rocco nicht unter der Herrschaft Napoleons nach 1797 aufgelöst. Heute ist sie aus dem religiös-kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Ihre Rettung verdankt sie maßgeblich don Sante della Venerina, einem Priester, der bei Napoleon mehrfach um den Erhalt seiner Stelle – und damit der Bruderschaft – ersuchte, was schließlich auch 1806 gelang. Die Scuola Grande di San Rocco hat also allen Grund, den zweihundertjährigen Jahrestag ihres Fortbestehens zu feiern. Am 8. November wurde nicht nur eine Ausstellung mit allen relevanten, erhaltenen Dokumenten und Teilen der Schatzkammer in der Scuola eröffnet, sondern auch durch Marino Zorzi (Biblioteca Marciana), Giandomenico Romanelli und Raffaele Santoro (Staatsarchiv) eine Publikation präsentiert. Sie trägt den Titel 1806 La Scuola Grande salvata und wurde von Maria Agnese Chiari Moretto Wiel herausgegeben.
Ein Mosaik in San Nicolò al Lido
26. Oktober 2006
In höchster Gefahr ist ein Mosaik im Kreuzgang des am nördlichen Ende des Lido gelegenen Klosters von San Nicolò, zu dem alljährlich eine Prozession der Dogen mit dem Bucintoro stattfand. Das kürzlich im Rahmen von UNESCO- und ministeriumsfinanzierten Restaurierungsarbeiten entdeckte, um das Jahr 1000 zu datierende Kunstwerk wurde freigelegt und wird periodisch überschwemmt. Die eingesetzten Pumpen funktionierten offensichtlich nicht so, wie sie sollten. Beschwichtigungsversuche kommen derweil von der Leiterin der Denkmalpflege Renata Codello, die allerdings schon des öfteren durch “unglückliches” Handeln aufgefallen ist. Dringend notwendige Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen sind also kurzfristig nicht in Sicht, zumal auch in der Zeit nach Berlusconi die Denkmalpflege weiterhin – besonders in finanzieller Hinsicht – einen schweren Stand hat.
Gedenken an die Flut 1966
24. Oktober 2006
Anläßlich des nahenden vierzigsten Jahrestages der Flut vom 04. November 1966, bei der nicht nur Florenz schwer getroffen und zahlreiche Kunstschätze vernichtet, sondern auch Venedig überschwemmt wurde, fand am 24. Oktober in den Räumlichkeiten des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti im Palazzo Franchetti eine erste Veranstaltung mit dem Titel 1966-2006 – Memorie dell’alluvione statt. Beteiligt war auch die Sektion Venedig von Italia Nostra, vertreten durch dessen Vorsitzenden Alvise Benedetti. Bürgermeister Massimo Cacciari glänzte durch Abwesenheit. Trotz des knappen und informativen Vortrages von Lady Frances Clarke (Venice in Peril) über die privaten Hilfskomitees für Venedig, sowie von Professor Francesco Valcanover, ehemals Leiter der Denkmalpflege und Zeitzeuge der Katastrophe, enttäuschte die zweistündige Veranstaltung, lag doch der Schwerpunkt zu sehr auf der Wiedergabe filmischer Dokumentationen Indro Montanellis zur Katastrophe – anstatt der Analyse derselben, geschweige denn der Herstellung eines Bezuges zu heutigen Problemen.



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