No-MOSE-Aktivisten besetzen Palazzo
21. November 2006
Gegen 10.30 Uhr besetzten am Montag, den 21.11., mehrere Dutzend Aktivisten den vornehmen Palast Morosini am Campo San Stefano. Man fühlt sich an die Eroberung mittealterlicher Burgen erinnert: zunächst drangen einige wenige Personen durch den Wasserzugang des weitläufigen Palastes ein und öffneten schließlich den Landzugang für die bereits wartenden Gesinnungsgenossen, die sogleich in das Gebäude, Sitz des Konsortiums Venezia Nuova, welches das unter dem Namen MOSE bekannte Schleusensystem zum Schutz gegen Hochwasser errichtet, eindrangen und die Büros okkupierten. Ohne Rücksichtnahme auf die barocke Bausubstanz wurde der Balkon hinter dem Portal zum Ausrollen der altbekannten Transparente und zur Verbreitung der üblichen Parolen hergenommen. Ein größeres Aufgebot von Carabinieri beendete die Besetzung; zahlreiche Eindringlinge mußten herausgetragen werden.
Angesichts der Tatsache, daß der Protest gegen das umstrittene Projekt MOSE immer mehr zum bloßen Vorwand für Aktivismus linksradikaler Subjekte wird, verlieren die bislang tolerierten Demonstranten an Rückhalt in Presse und Bevölkerung, zumal derzeit verstärkt eine politische Lösung des Problems gesucht wird.
NoMOSE protestieren gegen Kreuzfahrtschiffe
1. November 2006
Bei der Initiative NoMOSE hat sich, man höre und staune, eine Erkenntnis durchgesetzt und sich gleich praktisch ausgewirkt: die riesigen Kreuzfahrtschiffe, mit denen Venedig nach dem Willen (oder Einknicken) des Bürgermeisters Massimo Cacciari auch weiterhin beglückt werden wird, tragen eine erhebliche Mitschuld an den periodisch wiederkehrenden Hochwassern. Denn die die teils über 300 Meter langen Schiffe mit entsprechendem Tiefgang erfordern naturgemäß eine adäquate Fahrrinne. Durch diese kann bei ungünstigem Seegang eine wesentlich größere Menge Meerwasser in die Lagune transportiert werden. Als vor wenigen Tagen ein Kreuzfahrtschiff an der Riva degli Schiavoni anlegte, wurde es von einigen zumeist linksradikalen MOSE-Gegnern lautstark empfangen. Der Venedig-Blog geht allerdings von einem Strohfeuer aus.
Dichter Terminkalender
6. Oktober 2006
Die Assemblea Permanente NoMOSE, eine Initiative bestehend aus zumeist linksradikalen Studenten, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Schleusensystem MOSE zu verhindern, hat besonders im vergangenen Sommer durch Baustellenbesetzungen und massive Sachbeschädigung (was nicht weiter verwunderlich ist) für Schlagzeilen gesorgt. In Venedig hat man sich mittlerweile an den bunten Haufen gewöhnt. Unter dem Titel MOSE monstrum wird derzeit wieder zu verschiedenen Veranstaltungen geladen: Eine Bürgerversammlung in San Leonardo (Cannaregio) am heutigen 6. Oktober, eine “Informations-” und Spendenaktion (!) am Rialto am Achten, und gar eine Demonstration in Rom am 14. dieses Monats, an der sich auch andere Initiativen, die ein dickes “NO” im Namen führen, beteiligen werden.
Kein MOSE im Arsenal
20. September 2006
Zum Erstaunen aller Beteiligten hat Bürgermeister Massimo Cacciari am 19. September das Ansinnen des Consorzio Venezia Nuova, den Nordteil des Arsenals für die Fertigung einiger Teile des im Bau befindlichen umstrittenen Schutzzsystems gegen Hochwasser MOSE zu nutzen, zurückgewiesen: “Il Piano urbanistico parla di cantieristica ma i portelloni alle bocche di porto non sono delle navi”. In einem Fax an die Leiterin des Magistrato alle Acque, Maria Giovanna Piva, begründete Cacciari dies mit der Inkompatibilität der Nutzung mit dem Stadtentwicklungsplan. Letzterer sieht für den 214.000 Quadratmeter großen Teil des Arsenals, der am 28. September 2005 von der Regierung Berlusconi für 19 Jahre dem Konsortium zur Verfügung gestellt wurde, eine Nutzung als Werft oder Dock vor.
Cacciari, der das Projekt MOSE ablehnt, versucht also zum wiederholten Male, das Schleusensystem zu torpedieren. Von Giancarlo Galan, Präsident der Giunta Regionale des Veneto und Befürworter des Projekts, waren Tags darauf die gewohnten Polemiken gegen Cacciari zu vernehmen. Die Leiterin des Magistrato alle Acque war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unklar ist, wie das Konsortium Venezia Nuova weiter vorgehen wird.




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