Kein MOSE im Arsenal

20. September 2006

Zum Erstaunen aller Beteiligten hat Bürgermeister Massimo Cacciari am 19. September das Ansinnen des Consorzio Venezia Nuova, den Nordteil des Arsenals für die Fertigung einiger Teile des im Bau befindlichen umstrittenen Schutzzsystems gegen Hochwasser MOSE zu nutzen, zurückgewiesen: “Il Piano urbanistico parla di cantieristica ma i portelloni alle bocche di porto non sono delle navi”. In einem Fax an die Leiterin des Magistrato alle Acque, Maria Giovanna Piva, begründete Cacciari dies mit der Inkompatibilität der Nutzung mit dem Stadtentwicklungsplan. Letzterer sieht für den 214.000 Quadratmeter großen Teil des Arsenals, der am 28. September 2005 von der Regierung Berlusconi für 19 Jahre dem Konsortium zur Verfügung gestellt wurde, eine Nutzung als Werft oder Dock vor.

Cacciari, der das Projekt MOSE ablehnt, versucht also zum wiederholten Male, das Schleusensystem zu torpedieren. Von Giancarlo Galan, Präsident der Giunta Regionale des Veneto und Befürworter des Projekts, waren Tags darauf die gewohnten Polemiken gegen Cacciari zu vernehmen. Die Leiterin des Magistrato alle Acque war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unklar ist, wie das Konsortium Venezia Nuova weiter vorgehen wird.

Partnerschaft mit Chongqing

19. September 2006

In der Präfektur Ca’Corner wurde am 18. September eine Partnerschaft der Region Veneto mit der Agglomeration Chongqing unter Dach und Fach gebracht, die Kooperationen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet beinhaltet. Chongquing umfaßt 31 Millionen Einwohner und ist eines der beudetendsten Wirtschaftszentren der Volksrepublik.

Gleichzeitig wird gemeldet, daß vor wenigen Tagen durch den Zoll des Flughafens eine große Menge arsenhaltiges, gefälschtes Murano-Glas aus China beschlagnahmt wurde. Die gefälschten Produkte müssen jetzt fachgerecht entsorgt werden.

Hoteliers und Taxibootfahrer werden es gerne hören: Bürgermeister Massimo Cacciari und der Chef der Hafenverwaltung Giancarlo Zacchello haben vertraglich vereinbart, daß auch weiterhin große Passagierschiffe das Bacino di San Marco passieren dürfen. Dies war wiederholt in die Kritik geraten, denn außer Kindern und einigen Tagestouristen findet es niemand in Venedig sonderlich lustig, wenn sich schwimmende Hochhäuser mitten durch die Stadt wälzen. Erst am 8. September war das 294 Meter lange Kreuzfahrtschiff “Norwegian Jewel” an der Riva degli Schiavoni vor Anker gegangen und ließ den Dogenpalast und San Giorgio wie Spielzeug aussehen. Dabei hatte Cacciari Anfang des Jahres noch verlautbart, “le grandi navi a Venezia sono clamorosamente fuori scala” (Gazzettino, 12.09.2006). Abgesegnet wurde auch der Bau einer Garage bei der Stazione Marittima – San Basilio. Ferner soll die Fahrrinne für Handelsschiffe auf 9,75m vertieft werden.

Neuer Wirbel um Palazzo Grassi

8. September 2006

Vorgeschichte: Anfang 2005 zog sich der angeschlagene Konzern FIAT aus dem kulturellen Leben Venedigs zurück und verkaufte den Palazzo Grassi – bis dahin Ort bedeutender internationaler Ausstellungen. Um die weitere Nutzung des riesigen Baus am Canal Grande, der auch schon einmal als Hotel gedient hatte, entbrannten Diskussionen. Unter anderem bot der Genueser Magnat und Mäzen Angelo Guido Terruzzi an, eine Stiftung für den Palast zu gründen, einen Teil seiner bedeutenden Kunstsammlung, die nicht nur venezianische, sondern auch moderne Meister enthält, im Palazzo auszustellen, den Venezianern freien Eintritt zu gewähren, und den ersten Stock für die Kulturabteilung der Gemeinde Venedigs zu nutzen. Doch Francois Pinault, Herr über bedeutende Marken wie LVMH und Gucci, bekam den Zuschlag. Nach einem Umbau durch den japanischen “Stararchitekten” Tadao Ando wurden nun unter dem Titel “Where are we going?” sogenannte moderne, vor allem aber teuere Werke aus der Sammlung Pinault in den Palast hineingestopft und ausgestellt.

Am 30. August 2006 druckte der Gazzettino einen offen Brief ab, den Angelo Guido Terruzzi an Giandomenico Romanelli, Direktor der Städtischen Museen Venedigs, verfaßt hat. Die Verhandlungen um Palazzo Grassi seien von Anfang an undurchsichtig gewesen, viele Forderungen an ihn inakzeptabel. Besonders befremdlich: Beim Betrachten der Kollektion Terruzzis, die hervorragende Werke von Canaletto, Guardi, Jacopo Amigoni usw. enthält, hätte Dr. Romanelli, Autor einer Unzahl von Büchern und Aufsätzen, nicht die Spur einer emotionalen Regung gezeigt.

Bereits einen Tag später meldete sich Paolo Costa, damaliger Bürgermeister Venedigs, zu Wort und wies die Kritik zurück. Man habe von Anfang an etwas anderes mit Palazzo Grassi im Sinne gehabt, und Terruzzis Vorhaben sei damit nun einmal nicht kompatibel gewesen.

Teile der Sammlung Terruzzi werden mittlerweile in Rom ausgestellt.