Venezia crepa!

30. März 2008


Venedig krepiert - mit diesem reißerischen Motto rufen die Associazione Ambientelaguna und das bisher unbekannte “Cittadino contro le navi grandi” zu einer Protestveranstaltung an der Ponte della Paglia bei Dogenpalast am heutigen Sonntag auf, an dem die Kreuzfahrsaison mit dem 293 Meter langen schwimmenden Hochhaus “MSC Music” eröffnet wird. Fortan werden sich allwöchentlich wieder riesige Kreuzfahrtschiffe durch den Giudecca-Kanal schieben und insbesondere mit den von ihnen verursachten Vibrationen Fundamente und Mauern der Bauwerke schädigen. Nicht einmal positive Auswirkungen auf den venezianischen Tourismus sind zu vermelden, da die fast alle Kreuzfahrtgäste keinen Anschlußaufenthalt in der Lagunenstadt buchen.

Im Rahmen einer Immobilientransaktion ging im Jahre 1995 die südlich der Giudecca gelegene Isola della Grazia, bis vor acht Jahren Sitz eines Krankenhauses, von der Region Veneto an die ULSS 12 (eine Art Holding für Einrichtungen des Gesundheitswesens) über. Letzere versteigert nun die Insel. Höchstbieterin ist war bislang die Unternehmerin Giovanna Stefanel aus Treviso, doch Lino Cazzavillan, Eigentümer einer Hotelkette (o Wunder!) erhöhte auf zehn Millionen. Auf dem rund 38000 Quadratmeter großen Eiland befinden sich Gebäude mit 28000 Kubikmetern Raumumfang, die teilweise erhalten und - naturgemäß - in ein Hotel umgebaut werden. La Grazia wird damit das Schicksal der Insel San Clemente, seit einigen Jahren ein Luxushotel, teilen.


Maskierte vor den Tetrarchen am 14.02.2007

Am 11. Februar wurde mit dem sogenannten “volo d’angelo” auf dem Markusplatz der Karneval 2007 eröffnet. Der Venedig-Blog war auf der brechend vollen Piazza San Marco nicht persönlich anwesend. Hunderttausend Touristen sollen an diesem Tag in der Stadt gewesen sein. An diesem Wochenende wird mindestens mit der selben Menge gerechnet. Jeden Tag ein anderes Fest im Palazzo Pisani Moretta für die dekadente lokale und internationale selbsternannte High-Society. Verstopfte Gassen, wenig Masken. Für eingesessene Venezianer wäre in der Zeit des von der Tourismusindustrie reaktivierten Karnevals eigentlich eine villeggiatura angesagt. Mangels einer villa bleibt der Betreiber des Venedig-Blog zu Hause, trinkt ab und an einen Kaffee auf den wenig karnevalistisch beeinträchtigten Zattere und läßt sich dabei von der Februar-Frühlingssonne bräunen…

Und noch ein Palasthotel …

1. November 2006

Seit einigen Jahren werden immer mehr neue Hotels in Venedig in alten Adels-Palästen untergebracht. Zu den zahlreichen umgebauten und auf ewig verschandelten Palazzi, wie beispielsweise dem Palazzo Sagredo, gesellt sich nun ein weiterer: Beim Campo San Cassian hat unter dem Namen Les suites di Giulietta e Romeo ein neues Hotel eröffnet. Die von dem Veroneser Unternehmer Daniele Bertoli in einem Palast der Familie Donà aus dem 18. Jahrhundert eingerichtete Unterkunft besteht aus nur drei Suiten und drei Zimmern. Wie die Leiterin des Hotels, Alessia Giorgino, mitteilte, sollen die Übernachtungen zwischen 200 und 700 Euro kosten. Zudem sei das “Alte” mit dem “Modernen” verbunden worden. Das im Gazzettino vom 28. Oktober abgedruckte Photo eines Zimmers bestätigte in dieser Hinsicht die schlimmsten Befürchtungen des Venedig-Blog.