Und noch ein Palasthotel …

1. November 2006

Seit einigen Jahren werden immer mehr neue Hotels in Venedig in alten Adels-Palästen untergebracht. Zu den zahlreichen umgebauten und auf ewig verschandelten Palazzi, wie beispielsweise dem Palazzo Sagredo, gesellt sich nun ein weiterer: Beim Campo San Cassian hat unter dem Namen Les suites di Giulietta e Romeo ein neues Hotel eröffnet. Die von dem Veroneser Unternehmer Daniele Bertoli in einem Palast der Familie Donà aus dem 18. Jahrhundert eingerichtete Unterkunft besteht aus nur drei Suiten und drei Zimmern. Wie die Leiterin des Hotels, Alessia Giorgino, mitteilte, sollen die Übernachtungen zwischen 200 und 700 Euro kosten. Zudem sei das “Alte” mit dem “Modernen” verbunden worden. Das im Gazzettino vom 28. Oktober abgedruckte Photo eines Zimmers bestätigte in dieser Hinsicht die schlimmsten Befürchtungen des Venedig-Blog.

Der Himmel über Venedig

21. Oktober 2006

Mittels eines Heißluftballons wird zwischen Ende Dezember und dem Karneval Venedig aus der Luft zu sehen sein. Der 22 Meter durchmessende Ballon soll im Arsenal (!) installiert werden. Die Betreibergesellschaft Volare Venezia srl hat Erfahrung in der Branche und rechnet mit bis zu 80.000 Gästen. Das Billet soll 16 Euro kosten; vergünstigte Preise für Venezianer sind vorgesehen.

(Meldung im Gazzettino vom 18.10.)

Die Russen sollen kommen

11. Oktober 2006

Jedenfalls nach den Vorstellungen der Stadt und der Hotelbetreiber. Denn bisher profitieren die venezianischen Luxusunterkünfte kaum von betuchten Gästen, vornehmlich aus China, Indien und Rußland, die sich Kreuzfahrten von oder nach Venedig leisten, aber kaum in der Lagunenstadt bleiben. Dies soll sich nun ändern. Die Kontakte mit Reiseunternehmen in Sankt Petersburg soll mittels der Enit intensiviert werden. Auch sollen fernöstliche Wellness-Touristen, die in Abano Terme oder Cortina ihre Zeit verbringen, verstärkt nach Venedig kommen.

Obwohl sich – der durch die Architekturbiennale verlängerten Saison sei Dank – noch zahlreiche Touristen in der Stadt und auf dem Lido befinden, hat die ACTV den Betrieb auf den Fahrplan der Nebensaison umgestellt. Dies führt insbesondere bei Fahrten vom Lido zum Markusplatz (San Zaccaria) zu erheblichen Verstopfungen und Verspätungen der Vaporetti. Denn die größeren motonave, die normalerweise das Gros der Pendler vom und zum Lido aufnehmen, legen nicht mehr bei San Zaccaria, sondern vor Santa Maria della Pietà an. Von dort sind es bis zum Markusplatz noch einige hundert Meter und drei Brücken mehr, die man sich sparen kann, indem man die Linie 1 nimmt. Die Stadtverwaltung fordert daher jetzt die ganzjährige Verlängerung der schnelleren Linie 82 und eine Direktverbindung zum Piazzale Roma.

Zu schön um wahr zu sein – das Verbot der Eröffnung neuer Läden für Postkarten, venezianische Masken made in China und sonstigen billigen Nippes für den Durchschnittsbesucher gilt leider nur an vier Stellen in Venedig, nämlich Rialto, Santa Margherita, Rio Terà San Leonardo und via Garibaldi. Die Regelung besteht seit 2001 und wurde jetzt vom Consiglio di Stato bestätigt. Ein Tropfen auf den heißen Stein – Santa Margherita ist schon seit längerem zu einem Studenten- und Schwulenviertel ohne besonderen Bezug zur Lagunenstadt verkommen, für die via Garibaldi ist die Regelung mangels Zirkulation von Touristen sowieso überflüssig, und an vielen Stellen am Rialto ist nicht mehr viel venezianità zu retten. Wie schön wäre es gewesen, wenn die Stadt stattdessen endlich Sicherheit für wahre Kulturträger wie die Verlagsbuchhandlung Filippi in der Calle del Paradiso geschaffen hätte.