Weiß gewinnt gegen Rot

11. Juni 2008

Immer wenn es ans Abbauen der Baugerüste an Fassaden geht, steigt die Spannung. Wieviel ist noch übrig? Und wie ist der neue Verputz? Ungeachtet der zahlreichen unangenehmen Überraschungen, die die Architekten jüngst bereithielten, gibt es auch positive Beispiele, zuvörderst die in der Endphase befindliche, vom Architekten Maurizio Erlicher durchgeführte Neuverputzung des Palazzo Mocenigo Casa Vecchia gegenüber der Vaporettohaltestelle San Tomà, der jüngst in mehrere Wohnungen aufgeteilt wurde. Erfreulicherweise hat man sich entschieden, den ockerfarbenen Putz des 20. Jahrhunderts durch einen weißen Marmorino zu ersetzen, der der ursprünglichen Farbgebung entsprechen dürfte. Durch den Verzicht auf die Reinigung der Steinteile fällt der Kontrast nicht so stark aus. Weniger glücklich endeten die Putzarbeiten am Palazzo Barbarigo della Terrazza, dem Sitz des Deutschen Studienzentrums in Venedig: nach einem halben Jahr, in dem man vergeblich hoffen durfte, daß die neue rote Farbe an der Seite zum Canal Grande etwas von ihrer Aggressivität verliert, zeigt sich der ohnehin nicht besonders ansehnliche Palazzo in drei verschiedenen Putztönen in Rot und Grau. Warum das Denkmalamt hier nicht auf einem ähnlichen Verputz in weißem Marmorino bestand, wie er immerhin durch die Ansicht von Canaletto belegt ist, bleibt ein Rätsel. Auch im Ensemble mit den Nachbargebäuden ist das Ergebnis unbefriedigend.

Aufmerksame Beobachtern des venezianischen Immobilienmarktes ist das Angebot eines Palazzetto mit achthundert Quadratmetern Wohnfläche nicht entgangen. Es handelt sich um das sogenannte Casinò Zane, ein um 1700 vom Barockarchitekten Antonio Gaspari für den Adeligen Marino Zane errichtetes Lusthaus, das nach wie vor über ein freskiertes Treppenhaus und im zentralen Saal über ein riesiges Muldengewölbe mit einem Gemälde von Nicolò Bambini verfügt. Nun wurde bekannt, daß der Käufer, eine französische Stiftung, nein Millionen Euro für das Gebäude bezahlt hat und darin ein kulturelles Zentrum für französische Musik des 19. Jahrhunderts unterbringen will. Die Verantwortlichen der Denkmalpflege sind ob dieser Entwicklung begeistert, handelt es sich doch in diesem Fall nicht um ein weiteres Hotel. Die architektonische Restaurierung wurde einem Professor der lokalen Architekturhochschule anvertraut, der allerdings nicht zu den besten seines Faches zählt.

Premio Torta 2007 vergeben

13. Oktober 2007

Am heutigen Tage wurde im Rahmen eines Festakts im Ateneo Veneto der Preis Premio Torta per il restauro di Venezia 2007 an die Universität Venedig für die Renovierung und Umnutzung der Ca Foscari und des angrenzenden Palazzo Giustinian dei Vescovi 2004-2007 vergeben und stellvertretend durch den Rektor der Hochschule Prof. Pier Francesco Ghetti entgegengenommen. Mit dem seit 1974 (zuletzt alle zwei Jahre) in Erinnerung an Ing. Pietro Torta vergebenen Preis werden Bauherren, Baumeister, Wissenschaftler und Handwerker geehrt, die sich in besonderem Maße um die Erhaltung des baulichen Erbes der Lagunenstadt verdient gemacht haben. Die Entscheidung für den diesjährigen Preisträger ist freilich auch und in hohem Maße eine politische gewesen.
Anläßlich der Preisverleihung wurde eine Broschüre herausgegeben, die in komprimierter Form die Geschichte des Palasts Foscari, seit Mitte des 19. Jh. Sitz der königlichen technischen Schule und späteren Universität, und seiner Restaurierung darstellt.

Palazzo Labia

Klare Nachrichten darüber fehlen bislang. Gerüchten zufolge plant der italienische Rundfunk RAI, Eigentümer des Palazzo Labia, diesen zu verkaufen, um angesichts der derzeit erzielbaren Preise kräftig Kasse zu machen. Bislang sind in dem Gebäude, zweifellos einer der prächtigsten Paläste Venedigs, Büros des Rundfunks untergebracht, die aufs Festland verlagert werden würde – eine weitere kurzsichtige Standortentscheidung zu Ungunsten der Altstadt. Unter den bekannt gewordenen Interessenten ist angeblich auch der achtzigjährige Mailänder Industrielle Angelo Guido Terruzzi, der beim Tauziehen um den Palazzo Grassi den kürzeren gezogen hatte. In der Tat gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort als den Palazzo Labia, um Terruzzis Sammlung barocker Malerei zu beherbergen – und damit gleichzeitig eines der Hauptwerke Giovanni Battista Tiepolos, den Freskenzyklus der Geschichte Antonios und Kleopatras im Ballsaal des Palasts, einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen.

Baugerüst an der Kirche Santa Maria della Salute
Baugerüst an der Kirche Santa Maria della Salute

Die mächtige Kuppel von Santa Maria della Salute am Eingang zum Canal Grande ist eines der Wahrzeichen Venedigs. Die im 17. Jahrhundert zum Dank an die Erlösung von einer Pestepidemie vom unbestrittenen Meister der venezianischen Barockarchitektur, dem Architekten Baldassare Longhena, erbaute Kirche leidet seit einiger Zeit an undichten Stellen in der Kuppel. Das in den letzten Wochen errichtete Gerüst, an sich schon ein Kunstwerk, ist fertig. Die rund zwei Millionen Euro teure Sanierungsmaßnahme der Holzkonstruktion, welche von Professor Mario Piana, einer der wenigen Koryphäen der venezianischen Denkmalpflege, geleitet wird, hat vor wenigen Tagen begonnen. Piana hat zudem vor kurzem eine hochinteressante Publikation zur Kirche vorgelegt. Der Venedig-Blog ist daher von einem guten Gelingen der Baumaßnahmen fest überzeugt.