Haus in Venedig

Als vor wenigen Tagen am Haus San Marco 3427 in der sogenannten Piscina San Samuele, einer breiten Gasse zwischen Campo San Stefano und dem Traghetto, die Gerüste abgebaut wurden, glaubte man seinen Augen nicht trauen zu können. Die recht schlichte, nur mit Marmorplatten in den Bogenzwickeln dekorierte Fassade präsentiert sich neuerdings in einem schreienden Rot, welches die wesentlich größeren Schauseiten benachbarter Bauten wie den Palästen Querini und Pisani erfolgreich in den Hintergrund zu drängen vermag. Nicht nur für das Stadtbild ist die Wahl der Farbe eine Katastrophe; auch zeigt der schlampig und vermutlich von unqualifizierten Arbeitskräften aufgetragene Putz im unteren Bereich bereits erste Verfallserscheinungen. Während selbst alle Rundbogen mit Rot übertüncht wurden, erhielten die mittleren Pfeiler der Loggien und die Verdachungen derselben eine weiße Fassung, so daß die Elemente zusammenhanglos erscheinen.

Wie bei allen mißlungenen Sanierungen der letzten Jahre gibt es neben dem Eigentümer der Immobilie drei Hauptschuldige: der in der Regel nicht ausreichend ausgebildete Architekt oder Baumeister (der für die Farb- und Putzwahl verantwortlich ist), die Denkmalbehörde (die keinen Einspruch erhob) und die Stadtverwaltung (die das Projekt akzeptierte und keine verbindlichen Richtlinien zur Pflege des geschundenen Stadtbilds Venedigs ausgearbeitet hat). Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht, obwohl es an Publikationen gelungener Restaurierungen und auch qualifizierten Planern nicht fehlt.

Detail Haus in Venedig

In höchster Gefahr ist ein Mosaik im Kreuzgang des am nördlichen Ende des Lido gelegenen Klosters von San Nicolò, zu dem alljährlich eine Prozession der Dogen mit dem Bucintoro stattfand. Das kürzlich im Rahmen von UNESCO- und ministeriumsfinanzierten Restaurierungsarbeiten entdeckte, um das Jahr 1000 zu datierende Kunstwerk wurde freigelegt und wird periodisch überschwemmt. Die eingesetzten Pumpen funktionierten offensichtlich nicht so, wie sie sollten. Beschwichtigungsversuche kommen derweil von der Leiterin der Denkmalpflege Renata Codello, die allerdings schon des öfteren durch “unglückliches” Handeln aufgefallen ist. Dringend notwendige Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen sind also kurzfristig nicht in Sicht, zumal auch in der Zeit nach Berlusconi die Denkmalpflege weiterhin - besonders in finanzieller Hinsicht - einen schweren Stand hat.

Die Gasometer sind gerettet

11. Oktober 2006

Zwei faszinierende Relikte der Industrialisierung Venedigs, die 1839 errichteten Gasometer unweit von Platz und Kirche von San Francesco della Vigna, waren in Gefahr. Noch vor kurzem hatte man sich für eines dieser wichtigen Industriedenkmale eine kulturelle Nutzug vorgestellt; der zweite stand zur Disposition. Der Stadtentwicklungsplan für diesen nördlichen Teil Venedigs wurde jetzt von der Commissione regionale per la salvaguardia genehmigt, mit der Auflage, die beiden Gasometer zu erhalten.
Angesichts der zahlreichen Fehlentwicklungen bei venezianischen Denkmalen kann der Venedig-Blog diese jüngste Entwicklung nur begrüßen.

Wer bekommt die Dogana?

23. September 2006

Das historische Zollamt Venedigs, die im 17. Jahrhundert umgestaltete Dogana da Mar, befindet sich an einer der städtebaulich sensibelsten Stellen Venedigs am Anfang des Canal Grande. Seit Jahren steht das in Staatsbesitz befindliche Gebäude leer und harrt einer kulturellen Nutzung. Am 22. September wurde die Zusammensetzung der Kommissionen bekannt gegeben, die in Kürze die Entscheidung fällen werden. Der technischen Kommission gehören Achille Bonito Oliva (Kunsthistoriker, Vorsitzender), Giuseppina Dal Canton (Kunsthistorikerin) und Carlo Magnani (IUAV) an.

Bereits 1999 hat die Guggenheim-Stiftung durch das bekannte Architekturbüro Gregotti Associati mit Sitz in Mailand und Venedig einen Entwurf für eine mögliche Erweiterung des im Palazzo Venier dei Leoni befindlichen Museums in der Dogana anfertigen lassen. Doch François Pinault, der jüngst im Palazzo Grassi Teile seiner Kunstammlung unterbrachte, bekundete ebenfalls Interesse an dem trapezförmigen, eingeschossigen Bau mit dem charakteristischen Türmchen. Wie schon beim Palazzo Grassi sollte der minimalistische, renommierte japanische Architekt Tadao Ando den Umbau übernehmen. Angesichts des näher rückenden Termins der Entscheidung und einer vermeintlich geringeren Reputation Gregottis gab Guggenheim am 21. September bekannt, daß nun doch nicht Gregotti, sondern vielmehr Zaha Hadid der Dogana neues Leben einhauchen soll. Hadid, gebürtige Irakerin mit Büro in London, ist durch expressive Bauten (bevorzugt in Sichtbeton) bekannt geworden, deren primäres Ziel es ist, aufzufallen - oft auch unangenehm. Entsprechende Bedenken versucht die Guggenheim im Vorfeld zu zerstreuen: Weder werde das alte Zollhaus abgerissen, noch würden estensioni improprie am Äußeren gemacht werden.
Wie beruhigend. Der Venedig-Blog wünscht sich dennoch unbedingt eine Entscheidung zugunsten von Pinault/Ando.

Die Fassade der Kirche San Zaccaria, einem interessanten Bauwerk im Übergang von der Gotik zur Renaissance und mit einer wunderbaren Sacra Conversazione von Giovanni Bellini im Inneren, wird derzeit restauriert. Venetian Heritage Inc. und Stichting Nederlans Venetië Comité sind an den Kosten der Maßnahme, die noch 2006 beendet werden soll, beteiligt. Doch neues Ungemach droht: Bei Untersuchungen wurde an zwei Pilastern des rechten Seitenschiffs eine starke Verwitterung der Marmorteile festgestellt. Schon bei früheren Reparaturen wurden beschädigte Partien ausgetauscht. Notwendig wäre wohl eine Waschung der betroffenen Steine, wie bei der Restaurierung der Miracoli-Kirche, um weiteren Substanzverlust zu vermeiden.