Wie ein Schlag in den Nacken wirkt der Anblick des Bacino di San Marco mit den riesigen Werbungen am Palazzo Ducale und an der Libreria. Das Unternehmen dottor group, das, so scheint es, derzeit jede größere Baustelle in Venedig bearbeiten darf, hat die gesamte Fläche “ihres” Gerüstes an wechselnde Werber untervermietet. Getauft wurde der Himmel “cielo dei sospiri”, Himmel der Seufzer – was sich auf die Seufzerbrücke bezieht, die man nun zwischen den blauweißen Flächen suchen muß und die dekontextualisiert in der Luft zu hängen scheint.


Der Preis für die geschmacklosesten Plakate geht ohne Zweifel an einen Uhrenhersteller aus der Schweiz, dessen Kreationen wie auch die Plakate keiner weiteren Kommentierung bedürfen sollten.


Die Werbung an der Ca Rezzonico ist an sich auf die Mitte des Gerüsts konzentriert, wo der Sponsor und Modehersteller Replay bis vor kurzem in einem aufgedruckten Bilderrahmen dezent für sich warb. Das erschreckende ist hier nicht die Werbung, sondern die Reproduktion der Fassade des Palasts, der ja bekanntlich ein Meisterwerk des Architekten Baldassare Longhena ist. Man kann hier nur hoffen, daß die lieblose, dumme Strichzeichnung, welche die Architektur grotesk verzerrt wiedergeben, nicht als Grundlage für die Restaurierung selbst verwendet werden.



Inzwischen verschwunden ist die Werbung an der Kirche San Simeon Piccolo direkt gegenüber vom Bahnhof. Selbst die Zeitung Corriere della Sera berichtete im Mai darüber, denn die Denkmalpflege hatte das Plakat abgelehnt. Die Agentur, welche die leichtbekleideten Damen, die ausgerechnet an jener Kirche, wo don Konrad zu Loewenstein lateinische Messe zelebriert, dennoch angebracht hat, kam mit einer dreistelligen Strafe davon. Am Rande sei bemerkt, daß die Kurie des stets absenten, in Venedig unbeliebten Karrierekardinals Angelo Scola bereits erwägte, in der Vorhalle der Basilika von Torcello einen Getränkeautomaten aufzustellen.

Canonica Kanal

Vom Palazzo Comunale oder vulgo Dogenpalast, der erst kürzlich wegen eines heruntergefallenen Bogenstücks für unangenehme Schlagzeilen und erheblichen Rechtfertigungsdruck bei der Denkmalpflegebehörde gesorgt hatte, gibt es neue Hiobsbotschaften zu vermelden. Nach einer Untersuchung, welche von oben abgeseilte Experten an der Ostfassade durchgeführt hatten, wurde der angrenzende Kanal zur Hälfte für den Bootsverkehr gesperrt (siehe Foto), da weite Teile der Steinverkleidung herunterfallen können. Der womöglich vom Architekten Mauro Codussi errichtete Osttrakt des Dogenpalasts ist der jüngste Bauteil des Komplexes und birgt unter anderem die Dogenwohnung und den Saal des Senats. Die vollständig mit istrischem Kalkstein, Marmor und geringegen Mengen von Porphyr und Serpentin verkleidete Fassade wurde, im Gegensatz zu den gotischen Schauseiten zur Lagune und zur Piazzetta, noch nie einer gründlichen Sanierung unterzogen. Hierfür hat, wie nicht anders zu erwarten war, die chronisch klamme Stadtverwaltung keine Mittel und kann nur zweihundertfünftigtausend Euro für die Errichtung eines Gerüsts zur Verfügung stellen. Der Venedig Blog geht von einem notwendigem achtstelligen Betrag aus – ungefähr soviel, wie die nutzlose vierte Brücke über den Canal Grande kostete.

Steinschlag am Dogenpalast

1. Oktober 2007

Wohl durch die Unwetter der vergangenen Tage hat sich am Dogenpalast ein mehrere Kilogramm schwerer Stein, genauer ein Teil der Bogenlaibung eines der Fenster der Sala del Maggior Consiglio, gelöst und fiel herunter. Es handelt sich nicht um einen “Marmorblock”, wie in anderen Medien behauptet wird, sondern um istrischen Kalkstein. Durch Splitter, die beim Aufprall auf den Markusplatz entstanden, wurde ein deutscher Tourist verletzt. Das Fenster wurde provisorisch gesichert und die Stelle weiträumig abgesperrt.

Autonome nutzten eine Tagung des Arbeitsministers und anderer hochrangiger Politiker im Dogenpalast am 03 November aus, um sich in der überregionalen Pressen zu placieren. Während der Mittagspause drangen rund vierzig, später achtzig der euphemistisch als disobbedienti beizeichneten Personen unter der Führung von Luca Casarini in den Palazzo Comunale ein und zwangen die Politiker zur Verlagerung ihrer Aktivitäten in das Rathaus Ca’Farsetti. Glücklicherweise erlitt die Innendekoration keinen Schaden. Der Direktor der städtischen Museen, Giandomenico Romanelli, fordert nun, daß die Benutzung musealer Einrichtungen für derartige Veranstaltungen ein Ende haben müsse, gingen doch auch erhebliche Einnahmen aus Eintrittsgeldern verloren, ohne daß dies adäquat kompensiert werde.

Wasserschaden im Dogenpalast

21. Oktober 2006

Durch einen Defekt der Sprinkleranlage, die als Brandschutzmaßnahme im Dogenpalast installiert ist, wurden zwei der bedeutendsten Säle des ehemaligen Regierungssitzes der Republik Venedig, darunter die Sala del Maggior Consiglio (Saal des Großen Rates) und die Sala del Scrutinio, leicht beschädigt. Betroffen sind die Holzdecken des 16. Jahrhunderts sowie acht Gemälde aus derselben Zeit, u.a. von Giulio Licinio. Die Räume wurden vorübergehend zur Reparatur der Anlage gesperrt.

(Meldung im Gazzettino vom 21.10.)