Das Unglück der Costa Concordia vor der Insel Giglio könnte nicht symptomatischer für Venedig, ja für die Situation in Italien insgesamt sein: oberflächlicher Konsum mit faktisch unkalkulierbarem Risiko (“man will den Leuten ja was bieten”). Auch in diesem Jahr werden wieder 300 Meter lange “Luxusliner” durch die Stadt fahren – schwimmende Hotels, die der Stadt Venedig selbst nichts bringen außer Verstopfung der Gassen, aber der staatlichen Hafenbehörde eine goldene Nase garantieren. Doch wer garantiert für die Sicherheit der baulichen Substanz Venedigs? So mehren sich nun erneut vermehrt die Stimmen, welche ein Verbot der Passage von Kreuzfahrschiffen durch den Giudecca-Kanal vorbei an der Klosterinsel San Giorgio Maggiore und dem Markusplatz fordert. Darunter auch das Comitato No Grandi Navi – Laguna Bene Comune, das wieder Proteste mit Transparenten gegen den Kreuzfahrtwahn ankündigt. Angesichts der Luftverschmutzung durch die Schiffe eigentlich ein Feld für alle Grünen, doch ist es stattdessen der pensionerte Staatsanwalt Ennio Fortuna, der für die zentristische UdC im Stadtrat sitzt und jetzt ein umgehendes Verbot fordert. Alternativen freilich gibt es durchaus – man müßte nur entweder die Kreuzfahrtschiffe gleich nach Marghera verlagern und den allfälligen Transport mit kleineren, mit der Lagune eher kompatibleren Zubringerbooten organisieren, oder gleich einen Offshore-Hafen vor dem Lido errichten. Gleichwohl ist im seit Jahren politisch wie kulturell gelähmten Italien in keinem Bereich eine Verbesserung zu erwarten, man muß vielmehr mit dem erfolgreichen Aussitzen des Problems rechnen.

Hotel Danieli wird renoviert

16. Dezember 2007

Rund vierzig Millionen Euro invenstiert der Betreiber des Hotel Danieli nach Zeitungsangaben in die Renovierung eines der teuersten und renommiertesten Hotels der Stadt. Für diese Summe hätte man allerdings den die hier abgebildeten scheußlichen Plattenbau, der im 20. Jahrhundert einen Steinwurf vom Dogenpalast entfernt zwischen das Staatsgefängnis und den ebenfalls vom Danieli genutzten Palazzo Dandolo gesetzt wurde, auch entsorgen und durch etwas ansehnlicheres ersetzen können.

Und noch ein Palasthotel …

1. November 2006

Seit einigen Jahren werden immer mehr neue Hotels in Venedig in alten Adels-Palästen untergebracht. Zu den zahlreichen umgebauten und auf ewig verschandelten Palazzi, wie beispielsweise dem Palazzo Sagredo, gesellt sich nun ein weiterer: Beim Campo San Cassian hat unter dem Namen Les suites di Giulietta e Romeo ein neues Hotel eröffnet. Die von dem Veroneser Unternehmer Daniele Bertoli in einem Palast der Familie Donà aus dem 18. Jahrhundert eingerichtete Unterkunft besteht aus nur drei Suiten und drei Zimmern. Wie die Leiterin des Hotels, Alessia Giorgino, mitteilte, sollen die Übernachtungen zwischen 200 und 700 Euro kosten. Zudem sei das “Alte” mit dem “Modernen” verbunden worden. Das im Gazzettino vom 28. Oktober abgedruckte Photo eines Zimmers bestätigte in dieser Hinsicht die schlimmsten Befürchtungen des Venedig-Blog.