
Das Unglück der Costa Concordia vor der Insel Giglio könnte nicht symptomatischer für Venedig, ja für die Situation in Italien insgesamt sein: oberflächlicher Konsum mit faktisch unkalkulierbarem Risiko (“man will den Leuten ja was bieten”). Auch in diesem Jahr werden wieder 300 Meter lange “Luxusliner” durch die Stadt fahren – schwimmende Hotels, die der Stadt Venedig selbst nichts bringen außer Verstopfung der Gassen, aber der staatlichen Hafenbehörde eine goldene Nase garantieren. Doch wer garantiert für die Sicherheit der baulichen Substanz Venedigs? So mehren sich nun erneut vermehrt die Stimmen, welche ein Verbot der Passage von Kreuzfahrschiffen durch den Giudecca-Kanal vorbei an der Klosterinsel San Giorgio Maggiore und dem Markusplatz fordert. Darunter auch das Comitato No Grandi Navi – Laguna Bene Comune, das wieder Proteste mit Transparenten gegen den Kreuzfahrtwahn ankündigt. Angesichts der Luftverschmutzung durch die Schiffe eigentlich ein Feld für alle Grünen, doch ist es stattdessen der pensionerte Staatsanwalt Ennio Fortuna, der für die zentristische UdC im Stadtrat sitzt und jetzt ein umgehendes Verbot fordert. Alternativen freilich gibt es durchaus – man müßte nur entweder die Kreuzfahrtschiffe gleich nach Marghera verlagern und den allfälligen Transport mit kleineren, mit der Lagune eher kompatibleren Zubringerbooten organisieren, oder gleich einen Offshore-Hafen vor dem Lido errichten. Gleichwohl ist im seit Jahren politisch wie kulturell gelähmten Italien in keinem Bereich eine Verbesserung zu erwarten, man muß vielmehr mit dem erfolgreichen Aussitzen des Problems rechnen.
Venezia crepa!
30. März 2008

Venedig krepiert – mit diesem reißerischen Motto rufen die Associazione Ambientelaguna und das bisher unbekannte “Cittadino contro le navi grandi” zu einer Protestveranstaltung an der Ponte della Paglia bei Dogenpalast am heutigen Sonntag auf, an dem die Kreuzfahrsaison mit dem 293 Meter langen schwimmenden Hochhaus “MSC Music” eröffnet wird. Fortan werden sich allwöchentlich wieder riesige Kreuzfahrtschiffe durch den Giudecca-Kanal schieben und insbesondere mit den von ihnen verursachten Vibrationen Fundamente und Mauern der Bauwerke schädigen. Nicht einmal positive Auswirkungen auf den venezianischen Tourismus sind zu vermelden, da die fast alle Kreuzfahrtgäste keinen Anschlußaufenthalt in der Lagunenstadt buchen.
NoMOSE protestieren gegen Kreuzfahrtschiffe
1. November 2006
Bei der Initiative NoMOSE hat sich, man höre und staune, eine Erkenntnis durchgesetzt und sich gleich praktisch ausgewirkt: die riesigen Kreuzfahrtschiffe, mit denen Venedig nach dem Willen (oder Einknicken) des Bürgermeisters Massimo Cacciari auch weiterhin beglückt werden wird, tragen eine erhebliche Mitschuld an den periodisch wiederkehrenden Hochwassern. Denn die die teils über 300 Meter langen Schiffe mit entsprechendem Tiefgang erfordern naturgemäß eine adäquate Fahrrinne. Durch diese kann bei ungünstigem Seegang eine wesentlich größere Menge Meerwasser in die Lagune transportiert werden. Als vor wenigen Tagen ein Kreuzfahrtschiff an der Riva degli Schiavoni anlegte, wurde es von einigen zumeist linksradikalen MOSE-Gegnern lautstark empfangen. Der Venedig-Blog geht allerdings von einem Strohfeuer aus.
Die Russen sollen kommen
11. Oktober 2006
Jedenfalls nach den Vorstellungen der Stadt und der Hotelbetreiber. Denn bisher profitieren die venezianischen Luxusunterkünfte kaum von betuchten Gästen, vornehmlich aus China, Indien und Rußland, die sich Kreuzfahrten von oder nach Venedig leisten, aber kaum in der Lagunenstadt bleiben. Dies soll sich nun ändern. Die Kontakte mit Reiseunternehmen in Sankt Petersburg soll mittels der Enit intensiviert werden. Auch sollen fernöstliche Wellness-Touristen, die in Abano Terme oder Cortina ihre Zeit verbringen, verstärkt nach Venedig kommen.
Weiter freie Fahrt für dicke Pötte
12. September 2006
Hoteliers und Taxibootfahrer werden es gerne hören: Bürgermeister Massimo Cacciari und der Chef der Hafenverwaltung Giancarlo Zacchello haben vertraglich vereinbart, daß auch weiterhin große Passagierschiffe das Bacino di San Marco passieren dürfen. Dies war wiederholt in die Kritik geraten, denn außer Kindern und einigen Tagestouristen findet es niemand in Venedig sonderlich lustig, wenn sich schwimmende Hochhäuser mitten durch die Stadt wälzen. Erst am 8. September war das 294 Meter lange Kreuzfahrtschiff “Norwegian Jewel” an der Riva degli Schiavoni vor Anker gegangen und ließ den Dogenpalast und San Giorgio wie Spielzeug aussehen. Dabei hatte Cacciari Anfang des Jahres noch verlautbart, “le grandi navi a Venezia sono clamorosamente fuori scala” (Gazzettino, 12.09.2006). Abgesegnet wurde auch der Bau einer Garage bei der Stazione Marittima – San Basilio. Ferner soll die Fahrrinne für Handelsschiffe auf 9,75m vertieft werden.



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