Baldiges Ende der Taubenfütterung auf der Piazza?
2. Februar 2007

Gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an: Futterstand auf der Piazza
Die Leiterin der venezianischen Denkmalbehörde (die ja dem italienischen Kultusministerium zugehörig ist), Renata Codello, hat den Bürgermeister Venedigs Massimo Cacciari ultimativ aufgefordert, den Verkauf von Taubenfutter auf dem Markusplatz zu beenden. Bisherige Initiativen in dieser causa blieben folgenlos. Hintergrund der jetzigen Forcierung ist eine Studie der Universität Venedig, wonach der Taubenkot, vor allem in Verbindung mit Wasser, den den Verfall der Baudenkmale Venedig um den Faktor fünf bis sieben beschleunigt. Und jeder, der über den Markusplatz geht, ärgert sich über den stechenden Geruch der Exkremente. Da der Staat, so Codello, in den letzten Jahren Summen in zweistelliger Millionenhöhe in die Restaurierung der Bauten rund um die Piazza San Marco (der erst kürzlich eröffnete Uhrturm, der Dogenpalast sowie die Kirche San Marco) investiert hat und derzeit die auch Sanierung der Biblioteca Marciana im Gange ist, sei es nicht hinnehmbar, daß zur Beschädigung dieses einzigartigen architektonischen Ensembles weiterhin mutwillig beigetragen wird.
Derzeit haben 19 Verkäufer für Taubenfutter eine Lizenz von der Stadt, und sie haben bereits angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Stadt sollte sich schnellstmöglich bemühen, eine andere ähnlich geringst qualifizierte Arbeit für diese Personen zu organisieren, damit der Mißstand der vorsätzlichen Ernährung von Schädlingen zur alleinigen Belustigung einiger dümmlicher Touristen alsbald abgestellt werden kann. Kurioserweise ist ausschließlich am Markusplatz das Füttern der “fliegenden Ratten” und der Verkauf von Futter erlaubt.
Der Venedig-Blog kann der Beurteilung der Lage durch die Denkmalpflege nur uneingeschränkt zustimmen.
NoMOSE protestieren gegen Kreuzfahrtschiffe
1. November 2006
Bei der Initiative NoMOSE hat sich, man höre und staune, eine Erkenntnis durchgesetzt und sich gleich praktisch ausgewirkt: die riesigen Kreuzfahrtschiffe, mit denen Venedig nach dem Willen (oder Einknicken) des Bürgermeisters Massimo Cacciari auch weiterhin beglückt werden wird, tragen eine erhebliche Mitschuld an den periodisch wiederkehrenden Hochwassern. Denn die die teils über 300 Meter langen Schiffe mit entsprechendem Tiefgang erfordern naturgemäß eine adäquate Fahrrinne. Durch diese kann bei ungünstigem Seegang eine wesentlich größere Menge Meerwasser in die Lagune transportiert werden. Als vor wenigen Tagen ein Kreuzfahrtschiff an der Riva degli Schiavoni anlegte, wurde es von einigen zumeist linksradikalen MOSE-Gegnern lautstark empfangen. Der Venedig-Blog geht allerdings von einem Strohfeuer aus.
Gedenken an die Flut 1966
24. Oktober 2006
Anläßlich des nahenden vierzigsten Jahrestages der Flut vom 04. November 1966, bei der nicht nur Florenz schwer getroffen und zahlreiche Kunstschätze vernichtet, sondern auch Venedig überschwemmt wurde, fand am 24. Oktober in den Räumlichkeiten des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti im Palazzo Franchetti eine erste Veranstaltung mit dem Titel 1966-2006 – Memorie dell’alluvione statt. Beteiligt war auch die Sektion Venedig von Italia Nostra, vertreten durch dessen Vorsitzenden Alvise Benedetti. Bürgermeister Massimo Cacciari glänzte durch Abwesenheit. Trotz des knappen und informativen Vortrages von Lady Frances Clarke (Venice in Peril) über die privaten Hilfskomitees für Venedig, sowie von Professor Francesco Valcanover, ehemals Leiter der Denkmalpflege und Zeitzeuge der Katastrophe, enttäuschte die zweistündige Veranstaltung, lag doch der Schwerpunkt zu sehr auf der Wiedergabe filmischer Dokumentationen Indro Montanellis zur Katastrophe – anstatt der Analyse derselben, geschweige denn der Herstellung eines Bezuges zu heutigen Problemen.
Kein MOSE im Arsenal
20. September 2006
Zum Erstaunen aller Beteiligten hat Bürgermeister Massimo Cacciari am 19. September das Ansinnen des Consorzio Venezia Nuova, den Nordteil des Arsenals für die Fertigung einiger Teile des im Bau befindlichen umstrittenen Schutzzsystems gegen Hochwasser MOSE zu nutzen, zurückgewiesen: “Il Piano urbanistico parla di cantieristica ma i portelloni alle bocche di porto non sono delle navi”. In einem Fax an die Leiterin des Magistrato alle Acque, Maria Giovanna Piva, begründete Cacciari dies mit der Inkompatibilität der Nutzung mit dem Stadtentwicklungsplan. Letzterer sieht für den 214.000 Quadratmeter großen Teil des Arsenals, der am 28. September 2005 von der Regierung Berlusconi für 19 Jahre dem Konsortium zur Verfügung gestellt wurde, eine Nutzung als Werft oder Dock vor.
Cacciari, der das Projekt MOSE ablehnt, versucht also zum wiederholten Male, das Schleusensystem zu torpedieren. Von Giancarlo Galan, Präsident der Giunta Regionale des Veneto und Befürworter des Projekts, waren Tags darauf die gewohnten Polemiken gegen Cacciari zu vernehmen. Die Leiterin des Magistrato alle Acque war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unklar ist, wie das Konsortium Venezia Nuova weiter vorgehen wird.




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