Am 28. November schloß das Museo di arte erotica † seine Pforten. Das erst während des Karnevals 2005 in einem gemieteten Palazzo nahe dem Markusplatz eröffnete Museum für erotische Kunst litt von Anfang an an chronischem Besuchermangel, und zwar nicht nur unter Touristen. (Auch der Venedig-Blog hat das Haus nie von innen gesehen.) Die Exponate sind bereits in weiten Teilen nach Paris, wo sie auch ursprünglich herstammen, zurückgeführt worden. Mit einiger Verbitterung mutmaßte jetzt der einstige Leiter des Etablissements, Frank Birch, ob das ewig währende Geschwätz vom Disneyland Venedig nicht doch im Grunde wahr sei. Doch ist auch zutreffend, daß das Museum nie mit publikumswirksamer Werbung hervorgetreten ist.

Bekanntlich lebte der Komponist Richard Wagner, Jahrgang 1813, mehrere Jahre in verschiedenen venezianischen Palästen, so dem Palazzo Giustinian, und verstarb am 13. Februar 1883 im Palazzo Vendramin Calergi, wo auch eine Gedenktafel an den Tonsetzer erinnert. Der Palazzo ist heute Sitz des städtischen Casinos, welches nun, wie anläßlich der 12. Giornate Wagneriane verkündet un im Corriere della Sera am 12.10 gemeldet wurde, mehrere seiner Büros in einen Nachbarbau aus dem 16. Jahrhundert transferieren wird, um in den freiwerdenden Räumlichkeiten im Mezzanin des Palastes ab Sommer 2007 ein Museum einzurichten. Ebenfalls vorgesehen sind regelmäßige Konzerte.

Wer bekommt die Dogana?

23. September 2006

Das historische Zollamt Venedigs, die im 17. Jahrhundert umgestaltete Dogana da Mar, befindet sich an einer der städtebaulich sensibelsten Stellen Venedigs am Anfang des Canal Grande. Seit Jahren steht das in Staatsbesitz befindliche Gebäude leer und harrt einer kulturellen Nutzung. Am 22. September wurde die Zusammensetzung der Kommissionen bekannt gegeben, die in Kürze die Entscheidung fällen werden. Der technischen Kommission gehören Achille Bonito Oliva (Kunsthistoriker, Vorsitzender), Giuseppina Dal Canton (Kunsthistorikerin) und Carlo Magnani (IUAV) an.

Bereits 1999 hat die Guggenheim-Stiftung durch das bekannte Architekturbüro Gregotti Associati mit Sitz in Mailand und Venedig einen Entwurf für eine mögliche Erweiterung des im Palazzo Venier dei Leoni befindlichen Museums in der Dogana anfertigen lassen. Doch François Pinault, der jüngst im Palazzo Grassi Teile seiner Kunstammlung unterbrachte, bekundete ebenfalls Interesse an dem trapezförmigen, eingeschossigen Bau mit dem charakteristischen Türmchen. Wie schon beim Palazzo Grassi sollte der minimalistische, renommierte japanische Architekt Tadao Ando den Umbau übernehmen. Angesichts des näher rückenden Termins der Entscheidung und einer vermeintlich geringeren Reputation Gregottis gab Guggenheim am 21. September bekannt, daß nun doch nicht Gregotti, sondern vielmehr Zaha Hadid der Dogana neues Leben einhauchen soll. Hadid, gebürtige Irakerin mit Büro in London, ist durch expressive Bauten (bevorzugt in Sichtbeton) bekannt geworden, deren primäres Ziel es ist, aufzufallen - oft auch unangenehm. Entsprechende Bedenken versucht die Guggenheim im Vorfeld zu zerstreuen: Weder werde das alte Zollhaus abgerissen, noch würden estensioni improprie am Äußeren gemacht werden.
Wie beruhigend. Der Venedig-Blog wünscht sich dennoch unbedingt eine Entscheidung zugunsten von Pinault/Ando.

Neuer Wirbel um Palazzo Grassi

8. September 2006

Vorgeschichte: Anfang 2005 zog sich der angeschlagene Konzern FIAT aus dem kulturellen Leben Venedigs zurück und verkaufte den Palazzo Grassi - bis dahin Ort bedeutender internationaler Ausstellungen. Um die weitere Nutzung des riesigen Baus am Canal Grande, der auch schon einmal als Hotel gedient hatte, entbrannten Diskussionen. Unter anderem bot der Genueser Magnat und Mäzen Angelo Guido Terruzzi an, eine Stiftung für den Palast zu gründen, einen Teil seiner bedeutenden Kunstsammlung, die nicht nur venezianische, sondern auch moderne Meister enthält, im Palazzo auszustellen, den Venezianern freien Eintritt zu gewähren, und den ersten Stock für die Kulturabteilung der Gemeinde Venedigs zu nutzen. Doch Francois Pinault, Herr über bedeutende Marken wie LVMH und Gucci, bekam den Zuschlag. Nach einem Umbau durch den japanischen “Stararchitekten” Tadao Ando wurden nun unter dem Titel “Where are we going?” sogenannte moderne, vor allem aber teuere Werke aus der Sammlung Pinault in den Palast hineingestopft und ausgestellt.

Am 30. August 2006 druckte der Gazzettino einen offen Brief ab, den Angelo Guido Terruzzi an Giandomenico Romanelli, Direktor der Städtischen Museen Venedigs, verfaßt hat. Die Verhandlungen um Palazzo Grassi seien von Anfang an undurchsichtig gewesen, viele Forderungen an ihn inakzeptabel. Besonders befremdlich: Beim Betrachten der Kollektion Terruzzis, die hervorragende Werke von Canaletto, Guardi, Jacopo Amigoni usw. enthält, hätte Dr. Romanelli, Autor einer Unzahl von Büchern und Aufsätzen, nicht die Spur einer emotionalen Regung gezeigt.

Bereits einen Tag später meldete sich Paolo Costa, damaliger Bürgermeister Venedigs, zu Wort und wies die Kritik zurück. Man habe von Anfang an etwas anderes mit Palazzo Grassi im Sinne gehabt, und Terruzzis Vorhaben sei damit nun einmal nicht kompatibel gewesen.

Teile der Sammlung Terruzzi werden mittlerweile in Rom ausgestellt.