Die Ca’ Corner della Regina, einer der gewaltigsten Privathäuser der Lagunenstadt, soll nach einer Meldung der Tageszeitung “La Nuova” verkauft werden. Eigentümer ist die Stadt, die bereits in den vergangenen Jahren weite Teile ihres Immobilienportfolios liquidiert hat und mit der Veräußerung des Palazzo 30 Millionen Euro zur Stopfung von Haushaltslöchern erzielen will. Der Palazzo, in dem wahrscheinlich auch Mozart zu Gast war, wurde vom Architekten Domenico Rossi für den Prokurator von San Marco Andrea Corner (1671-1743) errichtet. Die prachtvollen Räume mit Dekorationen des Malers Costantino Cedini und anderen dienten zuletzt dem historischen Archiv der Biennale, das inzwischen, wie zahlreiche weitere Dienstleisungseinrichtungen, aufs Festland abgewandert ist. Eine Restaurierung wurde vor wenigen Jahren durch den renommierten Architekten Giorgio Bellavitis durchgeführt. Ursprüngliches Ziel war die Unterbringung des Museums für orientalische Kunst. Was jetzt aus dem Bau wird, ist unbekannt.

Palazzo Labia

Klare Nachrichten darüber fehlen bislang. Gerüchten zufolge plant der italienische Rundfunk RAI, Eigentümer des Palazzo Labia, diesen zu verkaufen, um angesichts der derzeit erzielbaren Preise kräftig Kasse zu machen. Bislang sind in dem Gebäude, zweifellos einer der prächtigsten Paläste Venedigs, Büros des Rundfunks untergebracht, die aufs Festland verlagert werden würde – eine weitere kurzsichtige Standortentscheidung zu Ungunsten der Altstadt. Unter den bekannt gewordenen Interessenten ist angeblich auch der achtzigjährige Mailänder Industrielle Angelo Guido Terruzzi, der beim Tauziehen um den Palazzo Grassi den kürzeren gezogen hatte. In der Tat gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort als den Palazzo Labia, um Terruzzis Sammlung barocker Malerei zu beherbergen – und damit gleichzeitig eines der Hauptwerke Giovanni Battista Tiepolos, den Freskenzyklus der Geschichte Antonios und Kleopatras im Ballsaal des Palasts, einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen.

Der Mafia-Vierteiler Im Zeichen des Drachen spielt wenigstens teilweise im Palazzo Pisani Moretta. Leider habe ich die erste Folge, die soeben im ZDF lief, verpaßt, aber die Aussicht, einen Blick auf die sehr gut erhaltenen Innenräume des Palazzo, die zweifellos zu den künstlerischen Höhepunkten in Venedig zählen, erhaschen zu können, läßt Vorfreude auf die nächsten drei Teile aufkommen. Termine: 04. Januar um 22.30 Uhr, 06. und 07. Januar um 22.00 Uhr (jeweils im ZDF)

via Franfurter Allgemeine Zeitung vom 03.01.2007

Und noch ein Palasthotel …

1. November 2006

Seit einigen Jahren werden immer mehr neue Hotels in Venedig in alten Adels-Palästen untergebracht. Zu den zahlreichen umgebauten und auf ewig verschandelten Palazzi, wie beispielsweise dem Palazzo Sagredo, gesellt sich nun ein weiterer: Beim Campo San Cassian hat unter dem Namen Les suites di Giulietta e Romeo ein neues Hotel eröffnet. Die von dem Veroneser Unternehmer Daniele Bertoli in einem Palast der Familie Donà aus dem 18. Jahrhundert eingerichtete Unterkunft besteht aus nur drei Suiten und drei Zimmern. Wie die Leiterin des Hotels, Alessia Giorgino, mitteilte, sollen die Übernachtungen zwischen 200 und 700 Euro kosten. Zudem sei das “Alte” mit dem “Modernen” verbunden worden. Das im Gazzettino vom 28. Oktober abgedruckte Photo eines Zimmers bestätigte in dieser Hinsicht die schlimmsten Befürchtungen des Venedig-Blog.

Neuer Wirbel um Palazzo Grassi

8. September 2006

Vorgeschichte: Anfang 2005 zog sich der angeschlagene Konzern FIAT aus dem kulturellen Leben Venedigs zurück und verkaufte den Palazzo Grassi – bis dahin Ort bedeutender internationaler Ausstellungen. Um die weitere Nutzung des riesigen Baus am Canal Grande, der auch schon einmal als Hotel gedient hatte, entbrannten Diskussionen. Unter anderem bot der Genueser Magnat und Mäzen Angelo Guido Terruzzi an, eine Stiftung für den Palast zu gründen, einen Teil seiner bedeutenden Kunstsammlung, die nicht nur venezianische, sondern auch moderne Meister enthält, im Palazzo auszustellen, den Venezianern freien Eintritt zu gewähren, und den ersten Stock für die Kulturabteilung der Gemeinde Venedigs zu nutzen. Doch Francois Pinault, Herr über bedeutende Marken wie LVMH und Gucci, bekam den Zuschlag. Nach einem Umbau durch den japanischen “Stararchitekten” Tadao Ando wurden nun unter dem Titel “Where are we going?” sogenannte moderne, vor allem aber teuere Werke aus der Sammlung Pinault in den Palast hineingestopft und ausgestellt.

Am 30. August 2006 druckte der Gazzettino einen offen Brief ab, den Angelo Guido Terruzzi an Giandomenico Romanelli, Direktor der Städtischen Museen Venedigs, verfaßt hat. Die Verhandlungen um Palazzo Grassi seien von Anfang an undurchsichtig gewesen, viele Forderungen an ihn inakzeptabel. Besonders befremdlich: Beim Betrachten der Kollektion Terruzzis, die hervorragende Werke von Canaletto, Guardi, Jacopo Amigoni usw. enthält, hätte Dr. Romanelli, Autor einer Unzahl von Büchern und Aufsätzen, nicht die Spur einer emotionalen Regung gezeigt.

Bereits einen Tag später meldete sich Paolo Costa, damaliger Bürgermeister Venedigs, zu Wort und wies die Kritik zurück. Man habe von Anfang an etwas anderes mit Palazzo Grassi im Sinne gehabt, und Terruzzis Vorhaben sei damit nun einmal nicht kompatibel gewesen.

Teile der Sammlung Terruzzi werden mittlerweile in Rom ausgestellt.