Tauben füttern verboten
4. Juni 2008

Seit Ende April ist das Verkaufen von Futter sowie das Füttern der Tauben auf dem Markusplatz verboten. Seitdem schwelt die Diskussion, wie die Ex-Futterverkäufer, die sich täglich zwischen den beiden Säulen versammeln, für den Verlust ihrer Lizenzen zu entschädigen sind: durch eine Einmalzahlung, oder durch Ersatzlizenzen für den Verkauf von Souvenirs. Letzteres würde freilich nur zu einer weiteren Disneyfizierung Venedigs beitragen. Da die Verkäufer, die mittlerweile auch vor Gericht erstinstanzlich in der Klage gegen das Verbot unterlagen, aber weiterhin bis zu dreißig Futtersäckchen in der Stunde verkaufen, hat die Stadtverwaltung nach langem tatenlosen Zusehen nun ein Exempel statuiert und in einem Fall einen Strafbefehl über 5.000 Euro verschickt. Überhaupt wird verstärkt auch in Zivil patrouilliert, um die Einhaltung des Fütterungsverbots zu erzwingen: so wurden nach Angaben der Zeitung “Gazzettino” ein Dutzend Touristen mit einer Strafe von je 50 Euro belegt. Die Zahl der Stadttauben auf dem Markusplatz hat sich im Laufe des letzten Monats bereits deutlich reduziert.
Venezianische Fauna: Möwen
25. Mai 2008
In der Lagunenstadt sind die Silbermöwen auf dem Vormarsch. Denn sie finden hier Nahrung in Hülle und Fülle. Fische oder Krebse scheinen inzwischen die Ausnahme zu bilden. Vielmehr haben es die riesigen Vögel, deren Geschrei mittlerweile in Venedig so omnipräsent ist wie das Rumoren der Motorboote, beim Öffnen der zahlreichen Müllsäcke, die die Venezianer entgegen der Vorschriften abends vor ihre Häuser stellen, zu erstaunlichen Fertigkeiten gebracht. Bei der Suche nach Freßbarem verstreuen die Möwen die Inhalte der Säcke, so daß man sich besonders morgens beim Anblick einiger Plätze mitunter fragt, ob man noch in Venedig oder schon in Neapel ist. Im Gefolge versuchen auch Stadttauben ihr Glück bei der Futtersuche, doch werden sie oft kurzerhand von den Möwen, die das Angebot gerne annehmen, erlegt und gefressen:
Resistenter als Tauben sind die Ratten. Mehr als eine halbe Stunde lang waren die beiden Möwen mühevoll damit beschäftigt, dem dicken Fell des Nagers etwas Nahrhaftes zu entnehmen:

Dennoch sind die Tiere vergleichsweise scheu. Bei der Annäherung durch Menschen lassen sie schnell von den Müllsäcken ab. Besitzer von Dachterrassen oder Altane goutieren die Vermehrung der Population aus nachvollziehbaren Gründen dennoch nicht.
Baldiges Ende der Taubenfütterung auf der Piazza?
2. Februar 2007

Gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an: Futterstand auf der Piazza
Die Leiterin der venezianischen Denkmalbehörde (die ja dem italienischen Kultusministerium zugehörig ist), Renata Codello, hat den Bürgermeister Venedigs Massimo Cacciari ultimativ aufgefordert, den Verkauf von Taubenfutter auf dem Markusplatz zu beenden. Bisherige Initiativen in dieser causa blieben folgenlos. Hintergrund der jetzigen Forcierung ist eine Studie der Universität Venedig, wonach der Taubenkot, vor allem in Verbindung mit Wasser, den den Verfall der Baudenkmale Venedig um den Faktor fünf bis sieben beschleunigt. Und jeder, der über den Markusplatz geht, ärgert sich über den stechenden Geruch der Exkremente. Da der Staat, so Codello, in den letzten Jahren Summen in zweistelliger Millionenhöhe in die Restaurierung der Bauten rund um die Piazza San Marco (der erst kürzlich eröffnete Uhrturm, der Dogenpalast sowie die Kirche San Marco) investiert hat und derzeit die auch Sanierung der Biblioteca Marciana im Gange ist, sei es nicht hinnehmbar, daß zur Beschädigung dieses einzigartigen architektonischen Ensembles weiterhin mutwillig beigetragen wird.
Derzeit haben 19 Verkäufer für Taubenfutter eine Lizenz von der Stadt, und sie haben bereits angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Stadt sollte sich schnellstmöglich bemühen, eine andere ähnlich geringst qualifizierte Arbeit für diese Personen zu organisieren, damit der Mißstand der vorsätzlichen Ernährung von Schädlingen zur alleinigen Belustigung einiger dümmlicher Touristen alsbald abgestellt werden kann. Kurioserweise ist ausschließlich am Markusplatz das Füttern der “fliegenden Ratten” und der Verkauf von Futter erlaubt.
Der Venedig-Blog kann der Beurteilung der Lage durch die Denkmalpflege nur uneingeschränkt zustimmen.




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