Im ersten Wahlgang wurde der Anwalt und Universitätsprofessor Giorgio Orsoni zum neuen Bürgermeister von Großvenedig gewählt. Er setzte sich mit 51% gegen seinen Widersacher, den Staatsminister Renato Brunetta durch. Dabei zeigt sich umso mehr, daß Bürgermeisterwahlen stets Personenwahlen sind, denn auf regionaler Ebene wurde der Kandidat der rechtsgerichteten Lega Nord ebenso klar als Präsident der Region Veneto und Nachfolger von Giancarlo Galan ins Amt gehoben. In der Farbsprache der Parteien ausgedrückt: Venedig bleibt eine “rote” Insel inmitten der “weiß-grünen” Region. Prompt machte der unterlegene Brunetta die mangelnde Loyalität von Lega-Anhängern für die Niederlage mitverantwortlich, was von der Lega prompt zurückgewiesen wurde; vielmehr sei wohl, was auch wahrscheinlich ist, die Weigerung des Ministers, sein Amt im Rom zugunsten Venedigs aufzugeben, ausschlaggebend gewesen.
Orsoni war es bislang gelungen, ein breites Mitte-Links-Bündnis, das von den Kommunisten bis hin zur UDC reicht – ob es, sobald die Verteilungskämpfe beginnen, auch die gesamte Legislaturperiode durchhalten wird, bleibt abzuwarten. Zum Leidwesen vieler Venezianer hat sich Orsoni bereits klar zum Bau der “sublagunare” bekannt, einer U-Bahn, die vom Flughafen über Murano bis hin zum Lido führen soll.

Schnee in Venedig

10. März 2010

Nach dem eiskalten Borasturm, der ein Menschenleben kostete, heute ab sechs Uhr morgens schweres Schneegestöber:

Kleiner Mann – ganz groß

3. Februar 2010

Die Bürgermeisterwahlen Ende März werfen ihre Schatten voraus. Nachdem die bürgerliche Rechte bereits vor Wochen den Staatsminister für öffentliche Verwaltung Renato Brunetta für das Rennen aufgestellt hatte, zog am letzten Januartag die Linke nach. In einer Vorwahl setzte sich der Anwalt Giorgio Orsoni gegen den grün angehauchten Philosophen Gianfranco Bettin und die Linksaußen Laura Fincato durch. Nach Jahren der Mißwirtschaft des Massimo Cacciari, der nach seinem von vielen herbeigesehnten Ausscheiden in Mailand lehren möchte, wird es aber selbst für den sehr gemäßigten Linken Orsoni schwierig werden, denn die Stimmung ist gekippt. Und Brunetta, der gern wegen seiner Kleinwüchsigkeit gehänselt wird (auch dieser Blog konnte nicht widerstehen), legt vor: 40.000 neue Arbeitsplätze will er schaffen, ohne zu verraten wie und woher, Investitionen in Milliardenhöhe nach Venedig locken, das unselige U-Bahn-Projekt realisieren, die Chemie in Marghera endgültig schließen, und, zu guter letzt, das Das Rathaus in den Dogenpalast umziehen, wo der Stadtrat in der Sala del Maggior Consiglio tagen soll. Eine gern genutzte Angriffsfläche Brunettas ist dessen Vorhaben, gleichzeitig Minister zu bleiben und sein Groß-Venedig am Wochenende zu regieren. Das Rennen bleibt spannend …

Die Renaissancekirche San Salvador entwickelt langsam zu einem Zentrum hervorragender katholischer Kultur. Nicht nur wird die neue Orgel regemäßig für Vespern genutzt, sondern es werden auch, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und zu unchristlichen Zeiten, tridentinische Messen angeboten. Immerhin sind seit dem “Motu proprio” Benedikts XVI. bald drei Jahre vergangen, aber das Ziel des Papstes, die alte, de facto nie abgeschaffte Messe des Konzils von Trient aus den konservativen Ghetti herauszuholen, scheint nur sehr langsam erreicht zu werden. Die Angebote sind begrenzt, insbesondere in Diözesen wie Venedig, die von sogenannten “Progressisti” geleitet werden, die zwar offen für alles sind, nur nicht für die eigene Tradition.

Großes Polizeiaufgebot am Samstagmorgen im Canal Grande: Vier Boote und mehrere Taucher sichern den Palazzo Pisani-Moretta. Denn Silvio Berlusconi fliegt zu einer Besichtigung ein. Gerüchte machen die Runde, der Ministerpräsident, der seit Jahren eine Immobilie in Venedig erwerben möchte, wolle den Palast kaufen. Tatsächlich ist der oft als Partypalazzo vermietete Bau am Canal Grande sowohl von außen als auch innen eine der schönsten Residenzen der Lagunenstadt. Unklar ist aber überhaupt, ob die Eigentümer, deren Vorfahren im 17. Jahrhundert den Palast erwarben, ihn überhaupt verkaufen wollen. Sicher ist aber angesichts der Größe, daß die in Lokalzeitungen ventilierte Summe von 13 Millionen Euro mehr als untertrieben sein dürfte. Am Ende kaufte der “Cavaliere” nicht, denn angeblich sei die Immobilie zu groß. Wahrscheinlicher ist hingegen, daß die Sicherheitslage problematisch werden würde, denn unmittelbar grenzt nicht nur das Deutsche Studienzentrum in Venedig, sondern auch eines der unzähligen Hotels an. Aus Sicherheitsgründen hatte Berlusconi bereits in der Vergangenheit das neben der Salute-Kirche gelegene ehemalige Kloster San Gregorio verschmäht: vom benachbarten *****L-Hotel hätte man in den Innenhof sehen und gelangen können…