Unterstützt von zahlreichen Sponsoren finden unter dem Titel “Una Chiesa che si racconta” an vier Sonntagen im April und Anfang Mai verschiedene Konzerte in venezianischen Kirchen der Sestieri Dorsoduro San Polo Santa Croce und Giudecca statt. Der erste Termin in Palladios Il Redentore war bereits am vergangenen 30. März. Am sechsten April um 16.30 Uhr spielt Antonio Frigé auf der 1743 errichteten Orgel in San Rocco; er wird begleitet vom Trompeter Gabriele Cassone. Alessandro Bianchini wird auf der Orgel der ansonsten meist verschlossenen Kirche Sant’Agnese unweit der Accademia geändert: Kirche San Trovaso am 13. April um 16.00 Uhr konzertieren; am 20. April um 16.00 Uhr wird Luca Scandali auf der Orgel (1760) von San Giovanni Evangelista zu hören sein. Der Abschluß wird am 4. Mai um 17.00 in der Scuola Grande dei Carmini vom Blechbläserensemble “Image Brass” gebildet werden.

Venezia crepa!

30. März 2008


Venedig krepiert - mit diesem reißerischen Motto rufen die Associazione Ambientelaguna und das bisher unbekannte “Cittadino contro le navi grandi” zu einer Protestveranstaltung an der Ponte della Paglia bei Dogenpalast am heutigen Sonntag auf, an dem die Kreuzfahrsaison mit dem 293 Meter langen schwimmenden Hochhaus “MSC Music” eröffnet wird. Fortan werden sich allwöchentlich wieder riesige Kreuzfahrtschiffe durch den Giudecca-Kanal schieben und insbesondere mit den von ihnen verursachten Vibrationen Fundamente und Mauern der Bauwerke schädigen. Nicht einmal positive Auswirkungen auf den venezianischen Tourismus sind zu vermelden, da die fast alle Kreuzfahrtgäste keinen Anschlußaufenthalt in der Lagunenstadt buchen.

Wie die Zeitung Gazzettino am 21.März berichtet, möchten die Firmen Soles aus Forlì und Mattioli aus Padova ein vor drei Jahren patentiertes Verfahren zur Anhebung von Gebäuden an einem Musterbeispiel in Venedig ausprobieren. In Aussicht genommen wurde hierfür der allseitig freistehende Palazzo dei Camerlenghi aus dem späten 15. und frühen 16. Jh., das, wie weite Teile des Sestiere von San Polo nahe der Rialtobrücke, erheblich abgesunken ist. Das Erdgeschoß des Palasts, der auf eine lange, teils wenig glückliche Restaurierungsgeschichte zurückblicken kann, steht bei Acqua Alta regelmäßig unter Wasser. Das Verfahren basiert vereinfacht auf der Schaffung einer neuen Fundamentierung in Form einer Betonplatte unter dem bestehenden Gebäude, welches dann hydraulisch an neuen Pfählen angehoben werden soll.
Da alle Gelder des Legge speciale per Venezia derzeit in das Großprojekt MOSE fließen, sollen angesichts der klammen Kassen jetzt die privaten ausländischen Komitees zur Rettung Venedigs von dem Vorhaben überzeugt werden und die veranschlagten drei Millionen Euro bereitstellen. Gewichtige Argumente aber sprechen gegen einen Test dieses Verfahrens ausgerechnet an einem so bedeutenden Gebäude wie dem Palazzo dei Camerlenghi, das in einer der fragilsten Zonen Venedigs steht: fehlende Erkenntnisse über die Effektivität und Langzeitauswirkungen der Methode am spezifisch venezianischen Untergrund, die an einem weniger anspruchsvollen Bau vorher getestet werden sollten, und die denkmalpflegerisch bedenkliche Irreversibilität des Eingriffs.


Die Gallerie dell’Accademia, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Italiens, huldigen dem Spätwerk des Malerfürsten Tizian derzeit mit einer Ausstellung. Die im Obergeschoß der ehemaligen Kirche der Carità gezeigten Bilder sind fast ausschließlich von höchster Qualität, die Ausstellungarchitektur, abgesehen von der Hängung der “Hl. Margarethe mit dem Drachen” und der Hintergrundfarbe der Wände, weitgehend gelungen und die Ausleuchtung der Werke durchweg effektiv. Vertreten sind unter anderem die Portraits von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen (1555), Paul III Farnese aus dem Museum Capodimonte Neapel (siehe Bild), die Allegorie der Lebensalter, die hervorragende Schindung des Marsyas aus dem Bischofspalast Kroměříž und das Ecce Homo aus St. Louis.
Die sehr empfehlenswerte Ausstellung kann noch bis 20. April besucht werden. Der Eintritt kostet 10 Euro. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Ausstellung Ultimo Tiziano.

Seit kurzem hat der Umbau der ehemaligen Zollbehörde Dogana da Mar, welche an der östlichsten Spitze des Sestiere Dorsoduro gelegen ist, zu einem Museum für zeitgenössische Kunst des französischen Milliardärs und Sammlers Pinault begonnen (wir berichteten). Das Projekt des japanischen Architeten Tadao Ando wurde zunächst von der Denkmalpflege und der Commissione di Salvaguardia abgelehnt, hatte der international gefeierte Baumeister doch die immensen Klimatisierungsanlagen für Kunst und Besucher offen auf dem Dach des flachen Baukörpers anordnen wollen, womit sie weithin sichtbar gewesen wären.

Bei anderen Umbauten, wie dem Palazzo Sagredo, in dem nun nach weitgehend mißglückter Sanierung ein Fünf-Sterne-Hotel untergebracht ist, haben die Institutionen, die sich allem Anschein nach mehr um die Stadtbild- als die Denkmalpflege kümmern, nicht so genau hingeschaut. Oder aus Fehlern gelernt. Bei der Dogana jedenfalls wird die Klimatisierung jetzt unter einem zweiten Ziegeldach versteckt werden. Der alte Dachstuhl ist bereits weitgehend demontiert, und im Inneren wird fleißig betoniert.